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Olaf Schultz zum Landtechnikmarkt

Die Zeit der üppigen Geschäfte mit Landtechnik aller Art scheint vorbei zu sein, vorerst jedenfalls. Weltweit verliert die Agrarkonjunktur an Schwung; Spiegelbild dessen sind spürbar nachlassende Investitionen der Landwirte in Maschinen auch aus deutscher Fertigung. Dieser Trend hat sich in der 2. Jahreshälfte 2014 verstärkt - auch in den Regionen, die bisher Geld in die Kassen spülten. Zu nennen sind neben dem Heimatmarkt Deutschland vor allem Frankreich, die USA, Großbritannien und auch Osteuropa, namentlich Russland aus bekannten Gründen.

Die deutschen Landtechnikexporte fielen in den ersten drei Quartalen 2014 um 10 Prozent unter den Vorjahreswert - ein Trend, der nach Einschätzung des VDMA Landtechnik im Schlussquartal ähnlich oder noch etwas negativer gewesen sein dürfte. Ernüchternd war die Lage auf dem französischen Markt, der zu gut einem Viertel aus hiesigen Maschinen besteht. Die Lieferungen dorthin verringerten sich bis September um 22 Prozent.

Vor allem die Traktorhersteller haben ihre Produktion angesichts der aktuellen Entwicklung am Markt deutlich heruntergefahren - von Januar bis September 2014 nach Angaben des VDMA Landtechnik um fast 20 Prozent auf circa 40.000 Einheiten. Denn auf die Frage: ‚Wer soll das alles kaufen?‘ hatten auch die Landwirte und Lohnunternehmer in Deutschland keine wirklich „einträgliche" Antwort. Die Zahl der neu zugelassenen Schlepper summierte sich von Januar bis November 2014 bundesweit auf 30.846 Maschinen; ein Jahr zuvor waren es im selben Zeitraum 32.092.

Fendt beispielsweise reagiert auf die Absatzflaute am Traktorenmarkt und reduziert an den Standorten Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim zu Beginn des neuen Jahres 450 Leiharbeitsstellen. Zudem werden von den Stammarbeitsplätzen 120 Stellen gestrichen. Darüber hinaus wolle das Unternehmen von einem Zwei- auf einen Einschichtbetrieb umstellen. Nebenbei bemerkt: Eigentlich ist das nach eigenem Bekunden der Agco-Mutter „modernste Traktorenwerk der Welt" in der Lage, jährlich bis zu 20.000 hochmoderne Maschinen zu produzieren.

Wird nun unter dem Strich zum Jahresende Bilanz gezogen, büßte die Landtechnikindustrie am Standort Deutschland etwa 10 Prozent an Umsatz ein, gemessen am Niveau 2013. Damit fällt das Volumen in Höhe von etwa 7,6 Mrd. € genauso hoch aus wie in den Jahren 2012 und 2008 - wohlgemerkt beides Spitzenjahre für die Hersteller.

Auch die Aussichten der Branche für 2015 sind verhalten. Der Umsatz wird weiter zurückgehen, sagen die Marktexperten. Der VDMA Landtechnik erwartet eine Größenordnung von weiteren etwa 10 Prozent. Ein Anlass, jetzt vollends zu verzagen? Wohl kaum. Denn sollte diese Prognose eintreffen, könnten die Hersteller in zwölf Monaten einen Umsatz hierzulande in einer Größenordnung von 6,8 Mrd. € präsentieren. Das wäre immerhin noch ein Niveau, welches in den vergangenen zehn Jahren nur 2008 und 2011 getoppt wurde. Und diese Ergebnisse kamen und kommen nicht "von ungefähr", sondern sind das Resultat von hochmodernem Know-how für den Acker „Made in Germany".
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