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Horst Hermannsen zur Deckelung der Milch- und Fleischerzeugung

In nachrichtenarmen Zeiten missbrauchen blasse Parlamentarier gerne die politische Bühne zur überzogenen Selbstdarstellung. Das Kalkül von Niedersachsens grünem Landwirtschaftsminister Christian Meyer ist vor diesem Hintergrund aufgegangen: Seine Absicht, mit unrealistischen Forderungen, die in den Bereich des ökonomischen Unfugs gehören, im Sommerloch maximale Aufmerksamkeit zu erzielen, hat sich erfüllt.

In einem Zeitungsinterview tat er seine schlichten Hausmannsrezepte gegen fallende Milch- und Fleischpreise kund. Sie bestehen, kurz gesagt, aus einer Deckelung von Milchmenge und der Einführung von Fleischquoten. Mit einer Mischung aus grüner Ideologie und ökonomischer Ignoranz soll die Rolle rückwärts geübt werden. In der dringend erforderlichen Ausrichtung auf internationale Marktverhältnisse sieht Meyer dagegen nur eine Förderung von Überkapazitäten, „die zulasten aller Betriebe geht“. Es gibt doch nichts Schöneres als ein einfaches und geschlossenes Weltbild.

Nun sollte aber niemand glauben, dass Meyer sein einfältiges Gerede auch wirklich ernst meint. Er ist zu sehr Politiker, um nicht zu wissen, dass diese Schrullen weder national noch gar in der EU irgendeine Wirkung haben. Letztlich handelt es sich um sozialistische Gedankenspielereien, die auf ihn aufmerksam machen sollen - siehe oben.

Befremdlich sind freilich etliche Reaktionen aus der Landwirtschaft. Die romantische Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und selbst das Schattenwesen Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) können bei solchen Gelegenheient Beifall spenden sowie ihre ökologische Träumerei und ökonomische Inkompetenz zum Besten geben. Entmündigung, Gängelung, staatliche Fürsorge: Dahinter steht die Sehnsucht nach Preis- und Absatzgarantien, letztlich nach einem herausragenden Plätzchen im öffentlichen Dienst. Dabei hat die Quote einen besonderen Stellenwert. Sie ist bekanntlich die sichtbare Angst vor dem Wettbewerb.

Zukunftsorientierte Landwirte lassen sich indes von zaghafter Furchtsamkeit nicht anstecken. Die westeuropäische - und hier vor allem die deutsche - Agrarwirtschaft ist für den internationalen Wettbewerb hervorragend gerüstet. Der Strukturwandel wird sich weiter fortsetzen und leistungsfähige Einheiten hervorbringen. Er ist das überzeugende Ergebnis von bäuerlichem Fleiß und Können. Wer in diese Entwicklung politisch noch mehr eingreifen möchte, bestraft die Unternehmer, ohne den Unterlassern eine Perspektive zu bieten.

Bauernhofmuseen werden von der öffentlichen Hand und Eintrittsgeldern finanziert. Moderne Agrarbetriebe müssen ihre Existenz dagegen mehr und mehr am Markt erwirtschaften. Wer dies verstanden hat, muss sich um seine Zukunft nicht sorgen, wenngleich er nicht mit einem sorgenfreien Dasein rechnen darf.

In unseren Breiten wird, wie in keiner anderen Region der Erde, im Sinne des Wortes nachhaltige Landwirtschaft betrieben. Umweltgesetze sind dabei unersetzlich. Eine vergleichbare positive Humusbilanz ist weder jenseits des Atlantiks noch in den Weiten Ost- und Südosteuropas zu finden. Die tierische Veredelung hat hierzulande unangefochtene Spitzenpositionen eingenommen.

Eine wachsende Kaufkraft in den Schwellenländern bietet unternehmerischen Landwirten Marktchancen, die keine historischen Vorbilder haben. Hervorragende natürliche Standorte garantieren – trotz gelegentlicher Schwankungen – sichere Erträge. Damit kann die hiesige Landwirtschaft auf Dauer ein verlässlicher Handelspartner am internationalen Markt sein. Voraussetzung dafür ist eine Politik, die sich nicht an den Reglementierungen von gestern orientiert. Für infantile Weltverbesserer bleiben immer noch ausreichend Tummelplätze. Schließlich möchte man nicht ganz auf amüsante Unterhaltung verzichten.
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