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Horst Hermannsen zur neuen bayerischen Umweltministerin

Politisch ist im weiß-blauen Freistaat wieder mal ganz schön was los. Das Kabinett muss umgebildet werden, weil Christine Haderthauer gegangen worden ist. Sie ist selbst für ihre Spezln in der CSU nicht mehr tragbar. Was muss sich die Chefin der Staatskanzlei aber auch ertappen lassen. Für sie und ihren Mann, der zufällig Landgerichtsarzt ist, hat ein Mehrfachmörder Modellautos in der Forensik hergestellt. Dieses Geschäftsmodell bezeichnete sie als ein von „Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art". So etwas geht nicht einmal in Bayern.

Dabei hat doch Horst Seehofer eine ganz besondere Schwäche für die attraktive Christine. Aber die hilft jetzt auch nichts mehr. Und was lehrt uns das? Im Leben ist alles vergänglich - und der Herbst ist auch schon da.

Darüber sollte man sich nicht wundern. Wundern, ja sogar ärgern kann man sich aber darüber, wie die künftige bayerische Umweltministerin bereits vor ihrem Amtsantritt kritisiert wird. Ulrike Scharf, so heißt die Neue, wird vor allem von eigenen „Parteifreunden" die Eignung für das Amt abgesprochen. „Hier herrscht große Unruhe, weil die Entscheidung keiner nachvollziehen kann", sagte ein CSU-Parlamentarier hinter vorgehaltener Hand. Ilse Aigner, die Chefin des mächtigen CSU-Bezirksverbands Oberbayern, habe auf Druck von Ministerpräsident Seehofer ausgerechnet die Unerfahrenste ausgewählt, die kein Fachwissen in Umweltfragen mitbringt, so der Tenor im Kreise der Enttäuschten.

In der Tat hätten viele in der CSU sich diese Aufgabe zugetraut. Manchen von ihnen ist auch wirklich alles zuzutrauen. Aber seit wann geht es denn bei Ministerämtern um Sachkunde? Verstand Seehofer etwas von der Materie, als er von 2005 bis 2008 im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als Minister in Berlin zwischengelagert wurde? War es bei Aigner ein Deut besser? Weiß Christian Schmidt immer, vor wem und über was er eigentlich redet? Kennt die Allzweckwaffe Markus Söder noch etwas anderes, als Intrigenspiele um die eigene Karriere zu befördern?

Natürlich gibt es auch in Bayern jene Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Marcel Huber zum Beispiel, gelernter Tierarzt, der eher aus Verlegenheit Umweltminister wurde, gehört dazu. (Das unbedeutende, weil entbehrliche Landwirtschaftsministerium hat ihm Seehofer gerade noch erspart.) Huber engagierte sich in Umweltfragen überzeugend. Er hat sich mit den Umweltverbänden ernsthaft auseinandergesetzt und wo es ging, mit ihnen gut zusammengearbeitet. Selbst der Bund Naturschutz in Bayern zeigt sich enttäuscht von seinem Wechsel in die Staatskanzlei.

Warum jetzt die Aufregung über die Überraschungskandidatin Scharf? Sie hat alle Voraussetzungen, die gegenwärtig ein bayerisches Kabinettsmitglied haben sollte. In der CSU spielen bei Personalentscheidungen der Religionsproporz sowie die regionale Herkunft seit jeher eine entscheidenden Rolle. Sie kommt aus Oberbayern, ist damit automatisch katholisch. Seehofer achtet darauf, dass jede Region bei der Vergabe von Schlüsselpositionen bedacht wird. In Zeiten des Gender-Mainstreaming möchte die Staatsregierung zudem nicht abseits stehen. Deshalb ist Geschlechterproporz wichtiger als tatsächliche oder auch nur vermeintliche Befähigung.

Der Ministerpräsident legte gleich zu Beginn seiner Amtszeit Wert auf eine Verjüngung des Kabinetts. Männliche Regierungsmitglieder über 60 kann er nicht leiden und trennt sich in aller Regel von ihnen. (Bei sich selbst macht er eine Ausnahme.) Eine 46-jährige Umweltministerin kommt ihm da wie gerufen. Die gelernte Kauffrau mit eigenem Reisebüro fühlt sich zwar eher in der Wirtschaftspolitik zu Hause. Aber „Ökologie und Ökonomie liegen manchmal nicht weit auseinander", sagt sie artig. Außerdem ist sie bei der Wasserwacht.

Nun hat sich Scharf erst einmal 100 Tage Einarbeitungszeit erbeten. Das wenigstens sollten die CSU-Grantler respektieren. Im Übrigen: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", schreibt der Dichter.
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