Steffen Bach

Satter Riese

az

Steffen Bach zum Schweinefleischexport

Seit Anfang April liegen die Schweinepreise in Deutschland über 1,70 €/kg Schlachtgewicht (SG) und damit deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Die Futter- und Energiekosten sind niedrig – rein wirtschaftlich gesehen macht die Schweinemast wieder Spaß. Obwohl kaum noch neue Ställe gebaut werden, kommen in Deutschland Woche für Woche mit knapp 1 Million Tieren beinahe so viele Schweine an den Haken wie im vergangenen Jahr.

Dass es in Deutschlands Schweineproduktion rund läuft, liegt vor allem an den guten Geschäften mit China. Die Exporte in die Volksrepublik haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. In der Branche wurde die Hoffnung auf einen unersättlichen chinesischen Markt zur Überzeugung. Doch auch der größte Riese ist irgendwann satt. Im 1. Halbjahr 2017 verringerten sich die Schweinfleischimporte Chinas um 13 Prozent, die der Schlachtnebenprodukte gingen um 6 Prozent zurück. Geradezu dramatisch ist die Situation, wenn man die Entwicklung im Jahresverlauf betrachtet. Nach dem 1. Quartal stand noch ein Plus von 20 Prozent, im 2. Quartal gingen die Importe im Jahresvergleich um 34 Prozent zurück und im Juni wurde nicht einmal mehr die Hälfte der Vorjahresmenge erreicht. Hinzu kommt, dass Deutschland Marktanteile an Kanada, Brasilien und Spanien verloren hat.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das abflauende Chinageschäft in Deutschland auf die Nachfrage nach Schlachtschweinen und damit auf die Erzeugerpreise durchschlagen wird. Die Branche wird dann wieder nach der Erschließung neuer Exportmärkte rufen, doch diese Forderung greift zu kurz. 2016 lieferte die EU 2,2 Mio. t Schweinefleisch nach China und Hongkong, das waren 54 Prozent aller Exporte. Japan als zweitwichtigstes Zielland erreichte mit 400.000 t einen Anteil von 9,5 Prozent. Die wichtigen Importländer kann man an einer Hand abzählen: China, Mexiko, Japan, Südkorea und die Philippinen. Weitere große aufnahmefähige Märkte gibt es nicht. Es ist ja schön, dass die EU im vorigen Jahr 30.000 t nach Angola lieferte. Doch mit einem Exportanteil von 0,7 Prozent kann ein kleines Importland nicht die massiven Verluste im Chinageschäft ausgleichen.

Während das Exportpotenzial begrenzt ist, gibt es auf der anderen Seite eine ganze Reihe von Ländern, die ihre Produktion ausdehnen können und wollen. Spanien, Russland und Polen machen das gerade vor. Rumänien, die Ukraine, Brasilien, Chile, Vietnam oder Argentinien haben ihr Potenzial bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Und auch in den USA stehen die Zeichen auf Wachstum. Der Kampf um die wenigen lukrativen Märkte wird also härter und vor allem über den Preis ausgetragen. Das Einhalten höchster Qualitätsstandards ist längst eine Grundvoraussetzung, die alle Exporteure erfüllen.

Denkt man an die neue Düngeverordnung, das ab 2019 geltende Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung und die Diskussionen um Kastenstand und Ringelschwanz, stellt sich die Frage, wie sich die deutschen Schweinhalter in diesem Wettbewerb behaupten sollen. Der Export wird ein wichtiges Ventil bleiben – vor allem für Teilstücke und Nebenerzeugnisse, die von den deutschen Verbrauchern verschmäht werden. Darüber hinaus wird sich der gesamte Sektor vor allem Gedanken darüber machen müssen, wie langfristig die Marktanteile auf dem heimischen Markt verteidigt werden können.

Mit für den Verbraucher nachvollziehbaren Verbesserungen beim Tierwohl, verständlichen Kennzeichnungen zu Herkunft und Tierhaltung auch auf verarbeiteten Produkten sowie einer Kommunikation mit dem Verbraucher auf Augenhöhe könnte es gelingen, den preissensiblen Konsumenten davon zu überzeugen, für deutsches Schweinefleisch mehr auszugeben. Bei einem „Weiter so!“ werden die Konkurrenten aus Osteuropa und Spanien den deutschen Schweinhaltern auch auf dem heimischen Markt das Leben schwer machen.
stats