--

Katja Bongardt über Sommerreisen von Agrarpolitikern

So unterschiedlich die Politiker, so unterschiedlich fallen die Pläne für die Ferienzeit aus. Während der eine Sommer, Sonne, Sonnenschein zelebriert, nutzt der andere die - für die Agrarpolitik - nachrichtenarme Zeit, um das Scheinwerferlicht auf sich zu lenken. Sommerreise lautet das Stichwort für die Saure-Gurken-Zeit in der agrarpolitischen Berichterstattung. Ob die Wahl der Sommerstrategie auf die Seele des Politikers schließen lässt? Bei manchem scheint die Rechnung aufzugehen.


Unter dem Stichwort ehrgeizig lässt sich Volker Wissings (FDP) Sommertour problemlos zusammenfassen. Der seit Mai amtierende Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland-Pfalz hat sich für Anfang August ein ordentliches Pensum verordnet: 15 Termine in vier Tagen stehen auf dem Programm, darunter ein Chemiepumpenunternehmen, ein "ultramoderner" Boxenlaufstall mit 160 Kühen, ein Weingut, oder eine moderne Verkehrsbeeinflussungsanlage. Die ausgewogene Mischung zeigt, dass er alle vier Buchstaben, für die ein Ministerium steht, bedienen will.


Auch die erst seit April amtierende Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/ Die Grünen) befindet sich auf Sommertour durch ihr Bundesland Sachsen-Anhalt. Sie tendiert im Vergleich mit dem FDP-Kollegen eher zur Öko-Extensivierung. So hat sie mit nur acht Terminen an vier Tagen zum einen ein weniger intensives Programm organisiert. Zum anderen finden sich auf der am Donnerstag zu Ende gegangenen Tour die Stationen Biohof Biotopia, Vogelschutzwarte, ein Öko-Hühnerhof sowie ein Milchviehbetrieb, der zum Ökobetrieb umstellt.


Immerhin zwei Tage lang war Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) auf einer Sommertour anzutreffen, die gestern zu Ende ging. Das Programm trägt mit dem Besuch einer Antibiotika-Datenbank und einer Naturkosmetik-Firma eine eindeutig grüne Handschrift. Aber welchen Gelüsten mag Meyer eigentlich nachgegeben haben, als er den Termin im Lüneburger Laves-Institut für Bedarfsgegenstände mit aufgenommen hatte, bei dem die Gefahren durch Grillzangen erörtert werden?


Ein ganz klares Statement zur Entschleunigung liefert NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen). Seine Sommertour folgt dem Leitsatz vom Spargel bis zur Erntekrone und hat demzufolge bereits im April begonnen. Bis in den Herbst hinein liefert Remmel den Medien regelmäßig Gelegenheiten für Fotomotive, darunter die Biomolkerei Söbbeke oder den Heinenhof, der Felder an Hobbygärtner verpachtet. 


Trifft auf die Minister Dalbert und Wissing noch das Attribut „Neue Besen kehren gut“ zu, so fragt man sich, warum der dritte im Mai frisch gekürte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) nicht auf Tournee durch sein Bundesland unterwegs ist. Er hat gute Gründe. Denn statt zu arbeiten, wurde vergangenes Wochenende geheiratet. Allerdings soll Hauk - laut der verlässlichen Recherchequelle BILD - seine neue Gattin und Parteikollegin Julia Kühn bei einem Streit um Genmais kennengelernt haben. So bleibt ihm in der Saure-Gurken-Zeit zumindest Gelegenheit für fachliche Gespräche. Falls die Flitterwochen das zulassen.
stats