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Horst Hermannsen zum deutschen Exportüberschuss

Paris tut es, Brüssel tut es und Washington mittlerweile auch. Die Kritik daran, dass Deutschland mehr ausführt als einführt, hält sich wacker. Die Zahlen sind aber auch beeindruckend. Im vergangenen Jahr wurden von Deutschland Waren im Wert von 1.207 Mrd. € ex- und nur für 954 Mrd. € importiert. Der Außenhandelsüberschuss erreichte den Rekordwert von 253 Mrd. €

Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss, der auch Dienstleistungen und Vermögensübertragungen berücksichtigt, kletterte von 252 auf 266 Mrd. €. Sogar der Gesamtwert der Exporte von Agrarprodukten, Lebensmittel und Landtechnik ist 2016 gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen - trotz weltweit gefallener Nahrungsmittelpreise und Russlandembargo. Besonders profitiert davon übrigens Bayern. Der Freistaat hat zum siebten Mal in Folge eine Bestmarke erreicht. Ein Segen für die hiesige Landwirtschaft. Wichtigste Exportprodukte sind Fleisch und Molkereierzeugnisse.

Am besten gleich verschenken

Doch der Erfolg hat volkswirtschaftliche Schattenseiten. So schlagen sich Produktivitätsfortschritt und die Stärke deutscher Unternehmen nicht ausreichend in den Lohntüten, in den Renten und bäuerlichen Einkommen nieder. Die deutsche Industrie und Agrarwirtschaft liefert Qualität zu erschwinglichen Preisen. Dies ist zum Beispiel in der Schlachtbranche teilweise auch erpressten Dumpinglöhnen und ganz allgemein dem schwindsüchtigen Euro zu verdanken. Wettbewerbsvorteile also, die im Exportüberschuss sichtbar werden. Defizitländer in der EU erhalten von Deutschland zudem Kredite, die nach Lage der Dinge niemals zurückgezahlt werden. Mit anderen Worten: man könnte die Waren doch gleich verschenken.

Wer kritisiert, soll zeigen, dass er es besser kann

Nörgler fühlen sich auf den Plan gerufen. Mit dabei US-Präsident Donald Trump der den Deutschen vorwirft, den niedrigen Eurokurs für Handelsvorteile auf Kosten der USA und seiner europäischen Partner zu nutzen. Wie problematisch der neue US-Präsident gerade Nahrungsmittelimporte sieht, zeigt seine jüngste Attacke gegen die kanadische Milchindustrie. Ähnlich kritische Blicke wirft er auf Lieferungen aus Deutschland. Selbst Frankreichs Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat soeben die exportorientierte deutsche Wirtschaft scharf kritisiert. Deutschland müsse erkennen, "dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist". 

Vielleicht hilft hier ein guter Rat an Länder, die sich über die deutsche Exportstärke erzürnen: Produziert doch das, was die Deutschen Euch liefern, einfach selbst!
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