Horst Hermannsen

Scheiden tut weh

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Horst Hermannsen zum Abschied der Baywa vom S-Dax

Es ist aber auch gemein. Vor drei Jahren musste das Unternehmen den M-Dax verlassen und nun fliegt die Baywa AG auch noch aus dem S-Dax. Gehypte Branchen rücken nach, die für Anleger riskant sind. Was zu viel ist ist zu viel, dachte sich denn auch der Vorstandsvorsitzende Klaus Josef Lutz und machte seinem Ärger in einem Brief an den Börsenvorstand Luft.

Lutz hat richtig schlechte Laune

Der Baywa-Chef ist bekanntlich nicht für halbe Sachen zu haben, deshalb verschickte er sicherheitshalber das Schreiben flugs auch noch an die Presse. Wer den Brief, oder besser die Philippika liest, merkt: Lutz hat richtig schlechte Laune. Wer mag ihm das verdenken. Schließlich hat die Börse bei ihrer Entscheidung nicht einmal seine „werteorientierte Unternehmensführung“ berücksichtigt. Kein freundliches Wort darüber, dass die Baywa sogar Auszubildende übernimmt. Der Unternehmenserfolg, der leicht daran zu erkennen ist, dass die Baywa seit ihrem 95jährigen Bestehen immer Gewinne erwirtschaftet hat, findet bei der herz- und gefühllosen Börse nicht die geringste Berücksichtigung. Die fortschreitende Klimaneutralität der „Grünen AG“ wird geradezu ignoriert. Das komme davon, dass nicht Menschen, sondern unerbittliche Rechner und Algorithmen darüber entscheiden, welche Unternehmen in den wichtigsten Indizes der Börse vertreten seien und welche nicht, wettert Lutz.

Viel gehortet und wenig gehandelt

Es werden Indexkriterien zugrunde gelegt, wie viele Aktien tatsächlich gehandelt werden, also schnöde Liquidität. Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Ein beachtlicher Teil der Baywa-Aktien befindet sich im Besitz der Bayerischen-Raiffeisen-Beteiligungs AG und der Raiffeisen Agrar Invest GmbH. Hier wird viel gehortet, aber wenig gehandelt. Im Übrigen wirkt die Baywa auf Fondgesellschaften und Privatanleger wie ein Riese auf schwachen Beinchen. Eine große Bilanzsumme, viel Umsatz, steigende Schulden, sinkendes Eigenkapital und geringe Gewinne sind die Parameter. Trotzdem gibt es Dividende, selbst wenn dafür gelegentlich fast der gesamten Überschuss benötigt wird. Und wie danken es die Anleger, dieses geldgierige Pack? Gar nicht! 

Viel angekündigt und regelmäßig enttäuscht

An den Börsen werden Wetten auf die Zukunft abgeschlossen. Wem es gelingt, mit seiner Geschäftsidee überzeugende Phantasien zu wecken, wird belohnt. Wer viel ankündigt und regelmäßig enttäuscht, wird abgestraft. Ohne positive Nachrichten mit längerer Halbwertszeit fehlt es der Baywa-Aktie an Kraft. Offensichtlich hat es sich nicht bewährt, mit Erlösen aus dem Verkauf kostbarer Immobilien, immer wieder irgendwo auf der Welt kleinere oder größere Unternehmen zu erwerben. Vielleicht sollte man einfach mal versuchen, mit dem was man hat, Geld zu verdienen.
Verehrter Herr Professor Lutz, grämen Sie sich nicht. Genau genommen hat doch die Baywa nie so recht in den S-Dax gepasst. S steht bekanntlich für small, klein also. Klein aber entspricht keineswegs der traditionsreichen Baywa und schon gar nicht Ihren unternehmerischen Visionen. Sehen Sie die Vorteile. Bisher galt Ihre ganze Aufmerksamkeit der Pflege des Aktienkurses. In jedem Quartal musste eine neue Geschichte erzählt werden. Nun stehen Sie nicht mehr so stark im Fokus und haben Zeit, die Probleme des Tagesgeschäftes anzugehen. Der Unternehmens- und Strategieberater McKinsey ist bereits im Haus und hilft Ihnen dabei. Das lässt hoffen.
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