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Horst Hermannsen zu Altmaiers Klimaängsten

Peter Altmaier(CDU) macht sich Sorgen. Nicht überraschend übrigens, denn anlässlich eines UN-Klimagipfels gehört das zu seinen wichtigsten Aufgaben. Schließlich ist er Bundesumweltminister. Und begründen kann Altmaier seine Bedenken allemal: Düstere Prognosen werden laufend übertroffen, und der CO2-Ausstoß erklimmt immer neue Rekorde. In der Folge klingen die Prognosen dann noch düsterer.

Das ist eben so, wenn aus Entwicklungsländern Schwellenländer werden, deren Bevölkerungen ihre Konsumbedürfnisse an westlichen Standards orientieren. Die hiesige Industrie ist dabei gerne eilfertig behilflich. Davon wiederum profitiert unsere Gesellschaft ganz allgemein. Insofern ist diese Entwicklung keinesfalls neu; sie in regelmäßigen Abständen indes zu erwähnen, gibt politischer Rhetorik doch so etwas wie gewichtigen Inhalt.

Einige Weltregionen seien „kilometerweit entfernt von einer Trendwende“, kritisiert der Minister in diesen Tagen mit sorgenschwerer Mine. Ja, ja, die schlimmen Umweltverschmutzer auf der anderen Seite der Erdkugel. Egoistisch und geradezu bedenkenlos verfeuern sie fossile Energieträger und beschleunigen damit den gefürchteten Treibhauseffekt, also die Erderwärmung. Lediglich die Amerikaner müssen sich darüber keine Sorgen machen: Sie können die Durchschnittstemperaturen deutlich nach unten drücken, indem sie bei der Temperaturmessung flugs von Fahrenheit auf Celsius umsteigen.

Diese elegante Lösung steht Altmaier nicht zur Verfügung, deshalb würde er sich wohl am liebsten die Haare raufen. Das bringt in diesem Falle aber wenig. Vielmehr ist er gut beraten, an die Bundesrepublik zu denken. „In Deutschland“, so glaubt der Minister zu wissen, „haben wir die Trendwende schon erreicht.“

Wer hätte das gedacht? Oder anders gefragt; wer hätte gedacht, dass der deutsche Umweltminister so schlecht informiert ist?

Sehr geehrter Herr Altmaier, in Deutschland wird seit der Energiewende der Bundesregierung immer mehr Kohlendioxyd in die Luft geblasen. Wir sind 2012 im Klimaschutz-Index um zwei Punkte auf Platz 8 zurückgefallen. Wen wundert’s? Wer bei der heutigen Technik auf Wind, vor allem aber auf Sonne, mit ihren Zuverlässigkeitsdefiziten setzt, befeuert zwangsläufig Kohlekraftwerke. Zur Deckung der Grundlast von rund 40 Gigawatt Stromleistung hat ausgerechnet die Dreckschleuder Braunkohle an der Gesamtbilanz einen Anteil von 42 Prozent – Tendenz steigend. Das ist schlicht die Macht des Faktischen.

Verehrter Herr Minister, ein Tipp unter Freunden: Immer erst vor der eigenen Türe kehren, bevor man andern mit dem Balken ein Auge ausschlägt – oder so ähnlich.
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