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Daphne Huber-Wagner zu den DLG-Feldtagen

Auch die DLG-Feldtage 2016 bleiben mit Bildern von verdreckten Gummistiefeln, Matsch und Abschleppwagen in Erinnerung. In zwei Jahren gibt es ein Wiedersehen in Bernburg.

Wie das weithin sichtbare bunte Fahnenmeer der Aussteller auf dem Gelände der DLG-Feldtage gehört die Frage, wie das Wetter wird, wie im richtigen Leben in der Landwirtschaft zu einer der wichtigsten im Vorfeld und während des Ereignisses. Selbst bei einigen Unsicherheiten stand schon vor Beginn des Pflanzenbau-Spektakels fest, dass in Franken immer wieder Regen fallen wird. Doch alle waren bis zum Aufbautag guten Mutes. Selbst die Autorin dieses Beitrags wollte nicht vier Jahre nach ihrer Erfolgsstory über die legendäre Schlammschlacht in Bernburg 2012 einen Teil 2 verfassen. Auch die größten Pessimisten wollten nicht wetten, dass erneut das gesamte Gelände im Matsch versinkt.

Doch dann fiel immer wieder Regen und die tonigen Böden des Hofgutes Mariaburghausen bei Haßfurt saugten sich voll. Darüber schwamm eine graue Brühe, die jedem Besucher den ganzen Tag lang höchste Konzentration abverlangte, um nicht der Länge nach auszurutschen. Die Wut der Aussteller gegenüber der unzureichenden Infrastruktur und dem Veranstalter ist verständlich. Allenfalls den örtlichen Landwirten gilt ein bayerisches Vergelts Gott für ihre unermüdliche technische und tatkräftige Hilfsbereitschaft.

Überwog nach dem Aufbau am Montag im strömenden Regen unter den Teilnehmern die Vorfreude auf die internationalen Festtage, gab es bei vielen am zweiten Tag lange Gesichter. Rund um ihre Stände bildeten sich schier unüberwindbare Matschseen. Mehr als ein Jahr lang liefen die Vorbereitungen für die Schauparzellen, die aufwendig gestalteten Stände und Outdoor-Aktionen auf Hochtouren. Anbieter von Technik, Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemittel und anderen Sparten wollen sich ihren Kunden von der besten Seite zeigen und darbieten, was im Pflanzenbau alles möglich ist. Oft gehen sie mehrmals am Tag mit dem Staubwedel über ihre Exponate, damit alles glänzt und reibungslos funktioniert.

Sicher sind Freiluftveranstaltungen dieser Art immer mit einem Wetterrisiko verbunden. Doch sollte wenigstens die Infrastruktur für die Besucher intakt sein. Denn es ist schwer, generverte Standbesucher, die vorsichtshalber ihr Fahrzeug kilometerweit entfernt auf Betonwegen abstellten, noch mit Informationen über die richtige Anwendung von Mitteln oder Sortenunterschiede zu begeistern.

Dass es in Haßfurt während der DLG-Feldtage regnen wird, kam mit Ansage und war im Vorfeld der Veranstaltung bekannt. Hackschnitzel, die eilens von Landwirten in der Region herangekarrt wurden, mussten die Aussteller ordern und dürften hierfür noch eine gesalzene Schlussrechnung bekommen. Vielmals kamen die Holzschnitzel viel zu spät und waren nach wenigen Stunden ebenfalls im Schlamm versunken. Hier hätte ein frühzeitiges Management schon Tage zuvor Abhilfe schaffen können.

Ein Trost, dass doch noch laut Veranstalter 22.000 Besucher den Weg nach Haßfurt auf sich nahmen. Sie wussten wohl, was sie erwartet. Und auch die Aussteller konnten bei der kühlen Witterung mit gutem Essen und Freigetränken einiges an Frust wieder wettmachen. Dennoch: Ein "Weiter so" darf es nach dem Fiasko in Haßfurt nicht mehr geben. Allein der Schaden, den der Pächter des Gutbetriebes Mariaburghausen nach den Feldtagen haben dürfte, ist unermesslich. Es dürfte Jahre dauern, bis er seine Felder wieder normal bewirtschaften kann. Hier ist erst einmal Tiefenlockerung angesagt, um den wie mit Zement versiegelten Tonboden wieder locker und für Wasser aufnahmefähig zu machen.

Auch den Ausstellern sei geraten, sich zusammenzuschließen und gemeinsam mit dem Veranstalter, der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, eine gangbare und vor allem bezahlbare Lösung für Haßfurt und alle weiteren Veranstaltungen zu finden. Denn die Kosten nicht nur für die Stände und das Personal sind enorm hoch. Und nun kommt noch ein ordentlicher Batzen für Transport und Ausfälle der Abbauunternehmen hinzu. Viele Aussteller stöhnen unter den saftigen Standpreisen, die wie bei deutschen Autos nur für den Standard gelten. Jedes Extra wird separat abgerechnet.

Nun geht es in zwei Jahren wieder nach Bernburg nach Sachsen-Anhalt. Und schon im Vorfeld wird wohl darüber diskutiert, dass es den Besuchern nicht viel bringt, wenn sie sich Feldversuche immer am selben Standort anschauen sollen. Doch egal, die Feldtage 2018 werden wieder ein Erfolg werden, die Landwirte freuen sich auf die gute Stimmung im Freien, die immer ein Erlebnis sind in lockerer Atmosphäre. Und die zahlreichen Großgrundbestizer aus Ostdeutschland sind als gute Kunden in Bernburg eine sichere Bank. Denn sie sind 2016 außer einigen Gästen aus Sachsen und Thüringen dem weit entfernten Bayern eher fern geblieben. Dafür kamen viele Besucher aus Tschechien, Ungarn, Italien und der Schweiz.

Pflanzenbaufreaks kommen zu den Feldtagen auf jeden Fall. Doch was ist mit den vielen Landwirten, die in diesem Jahr den laut Prognosen zunehmenden Wetterextremen ausgesetzt sind? Bernburg ist eine Toplage. Außer Frühsommertrockenheit gibt es wenig Probleme. Daheim nach der Besichtigung der Versuchsflächen wieder angekommen, lehrt vielen der Unkrautbesatz, Gelbrost, Rapsstengelrüsseler und Lagergetreide das Fürchten um die diesjährigen Qualitäten. Einen Ertrag von 10 Tonnen Winterweizen in der Börde bekommt jeder hin, 9 Tonnen in Ludwigslust in Brandednburg auf den Sandbüchsen hinzubekommen, darin liegt die Kunst. Der moderne Pflanzenbau der Zukunft muss sich mit einerm geringeren Dünger- und Pflanzenschutzmittelaufwand auseinandersetzen. Hier mit Innovationen bei den Feldtagen Lösungen zu zeigen, das schätzen die Besucher mit und ohne Regen, aber gerne auf befestigten Zu- und Abfahrtswegen für das Auto und die Füße.
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