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Dagmar Behme zur staatlichen Bereitstellung von Agrardaten

Einen riesigen Fortschritt für die globale Landwirtschaft verspricht US-Agrarminister Tom Vilsack, wenn Staaten zunehmend ihre landwirtschaftlichen Datenbanken öffnen. Die darin verborgenden Schätze sollen allein dadurch an Wert gewinnen, dass sie geteilt werden. Zweifel an solchen vollmundigen Ankündigungen sind angebracht. Daten allein transportieren keinerlei Wissen. Auch eine Vervielfältigung vermehrt nicht ihren Sinngehalt. Vielmehr braucht es Verstand und Verantwortung, um Daten zu sammeln und sie in einen Kontext zu setzen, aus dem Erkenntnis wachsen kann.

Der amerikanische Landwirtschaftsminister trifft dennoch einen Nerv, wenn er Agrardaten zu den „wichtigsten Commodities" zählt. Jeder Marktteilnehmer kann nachvollziehen, was Vilsack meint: Nicht die Getreideernten an sich bewegen die Märkte, sondern relevante Daten zur Höhe und Qualität der Ernte. Wer über besseren Zugang zu solchen Informationen verfügt, erzielt in der Regel für sich günstigere Preise. Wer dagegen von den Quellen abgeschnitten ist, zieht den Kürzeren. Von dieser Gesetzmäßigkeit profitieren zahlreiche Berufsgruppen, die Agrardaten professionell anbieten. Aus gutem Grund haben hochwertige Marktinformationen, die aktuelle Daten schnell und kompetent einordnen, ihren Preis.

Ein anderes Konzept ist die Kostenlos-Kultur der Open-Data-Bewegung, auf die auch die in der G-8 vertretenen führenden Wirtschaftsnationen setzen. Sie verpflichten sich, in ihren Ländern offen zugängliche Plattformen einzurichten und der Landwirtschaft in Afrika zu helfen, solche Datenbanken aufzubauen. Das klingt sehr nach Aktionismus. Denn mit einem Teilen der Information ist es nicht getan – genauso wenig, wie Hunger schnell dadurch beseitigt werden kann, dass Nahrungsmittelhilfe verteilt wird. Um teilen und verteilen zu können,  braucht es Infrastruktur und an allererster Stelle Bildung. Doch genau daran fehlt es besonders in den Ländern, die den größten Rückstand in der Landwirtschaft aufweisen.

Fragen lassen müssen sich die Verantwortlichen auch nach der Qualität der Agrardaten, die sie künftig aus dem exklusiven Kreis der G-8-Staaten sowie der EU zusammentragen wollen. Zur G-8 gehört unter anderem Russland, dessen Agrarstatistiken im Ruf stehen, häufig nach staatlichen Planvorgaben manipuliert worden zu sein. Auch das Agrarministerium in Washington trifft immer mal wieder der Verdacht, mit seiner Informationspolitik Einfluss auf die Märkte nehmen zu wollen. Von solchen Unterstellungen unberührt sind dagegen die deutschen Agrarstatistiken, weil sie sich ohnehin nur sehr erfahrenen und geduldigen Insidern erschließen.

Agrarmarktinformationen sind allerdings nur ein Ausschnitt aus der großen weiten Datenwelt. Von großem Interesse sind etwa Geodaten oder Sammlungen zu genetischen Ressourcen. Ihre stärkere Vernetzung bringt vor allem die Forschung voran, hofft Catherine Woteki, Chefwissenschaftlerin im amerikanischen Agrarministerium. Mit dieser Perspektive hat sie jedenfalls in dieser Woche eine US-Landwirtin getröstet, die in einer Fragerunde etwas über den konkreten Nutzen der neuen Datenplattform wissen wollte. Auch in den USA erschließt sich den Menschen die schöne neue Datenwelt nicht von allein.
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