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Stefanie Pionke zur Marktregulierung

Die Debatte um Spekulation, Agrarmärkte und deren mögliche Regulierung ist immer wieder von neuem geeignet, die Gemüter zu erhitzen. Das wurde während der Präsentation der jüngsten Studie zur Bedeutung von Warenterminbörsen als Absicherungsinstrument für die deutsche Landwirtschaft neulich in Braunschweig deutlich. Spektakuläre Neuigkeiten hatten die Autoren der Studie nicht zu vermelden. Was eines nahelegt: Die Forschung wird vor allem deshalb aufmerksam verfolgt, weil politische Implikationen für Eingriffe in den Markt befürchtet werden.

Zwischen der Entwicklung der Preise an Warenterminbörsen und Kassamärkten besteht eine enge Beziehung. Was Generationen von Händlern und Maklern aus ihrer täglichen Geschäftserfahrung bestätigen können, hat nun empirische Belege gefunden. So weit, so einleuchtend. Die Börse preist neue Informationen zuerst ein und gibt die Richtung der Kassamärkte vor. Auch das ist eine Erkenntnis aus der Studie. Diese wollten zumindest einige bei der Präsentation der Ergebnisse im Braunschweiger Thünen-Institut anwesenden Händler nicht so uneingeschränkt teilen. Die Beeinflussung erfolge genauso aus umgekehrter Richtung – und überhaupt würden die Fundamentaldaten die Preise bestimmen, so das Credo der Skeptiker.

Wie auch immer – dass die Forscher keine Revolution verkündeten, sondern die empirische Unterfütterung von Ist-Zuständen, liegt auf der Hand. Nichtsdestotrotz bot die Studienpräsentation wieder einmal einen Anlass, das - aus Sicht vieler Branchenvertreter - Schreckgespenst einer überbordenden Marktregulierung heraufzubeschwören. Vor allem Vertreter aus dem Agrarhandels-, Makler- und Genossenschaftslager verspüren wenig Interesse daran, am Status Quo zu rütteln. Die Preisbildung an den Börsen funktioniere wunderbar – und mehr Transparenz an den Kassamärkten, womöglich staatlich gewährleistet – oh Graus! Diese Haltung wird wiederum anhand eines anderen Ergebnisses aus eben jener Studie verständlich: Im Rahmen der Untersuchung gaben die befragten Landwirte an, ihr Landhändler oder ihre Genossenschaft sei eine der Hauptinformationsquellen für Preise und Vermarktungsentscheidungen. Welch‘ komfortable Lage für Händler und Genossenschaften!

Die Advokaten der Transparenz wiederum würden gerne umfassende und aktuelle Daten zu Kassapreisen am deutschen Markt für jedermann jederzeit verfügbar machen. Für alle diejenigen, die heute mit solchen Preisinformationen Geld verdienen, nicht unbedingt ein Wunschszenario. Fraglich ist auch, wie dieses Vorhaben in die Realität umgesetzt werden könnte. Zumindest heute gibt es keine gesetzliche Grundlage dafür, privatwirtschaftliche Akteure zur Herausgabe ihrer Hauspreise zu verdonnern.

Bleibt die Frage nach dem „ob“ und „wie“ der Spekulation. Dem will das Forscherteam vom TI und der Universität Münster als nächstes auf den Grund gehen. Und dann? Die Marktregulierung wird bereits EU-weit in Form der Finanzmarktdirektiven Mifid und Emir umgesetzt. Mifid soll unter anderem regelmäßige Berichte über das Engagement verschiedener Händlertypen vom Verarbeiter bis zum Spekulanten an den Börsen bringen, Emir fordert das Eintragen jeglicher Derivate-Geschäfte in ein Transaktionsregister. Und raubt damit gerade den Maklern, Händlern und Verarbeitern hierzulande den letzten Nerv. Beklagt werden Funktionsstörungen bei der Meldung und zusätzlicher bürokratischer Aufwand ohne erkennbaren Zusatznutzen.

Wird alle Transparenz am Ende die Volatilität der Agrarpreise an den Börsen eindämmen? Nun, das darf man bezweifeln. Die US-Börsen sind heute schon viel transparenter als ihre europäischen Wettbewerber – und ihre Kursentwicklung ist nicht weniger volatil.
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