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Dagmar Hofnagel zur Hamburger Börse

Der Agrarhandel ist im Moment nicht zu beneiden. Die Geschäfte laufen seit einigen Monaten mehr als schleppend. Die gedämpfte Gemütslage der Händler war auch auf der Hamburger Börse zu spüren. Der Bedarf nach Informationen ist allerdings groß. Mehr als 800 internationale Teilnehmer haben in dieser Woche im sonnigen Norden nach Orientierung gesucht. Ausschließlich depressive Gesichter waren allerdings Fehlanzeige – und das nicht nur wegen des Kaiserwetters. Die Hoffnung auf Besserung überwiegt.  


Lustig ist anders“ oder „Seit Monaten ist der Agrarmarkt alles andere als sexy“. Aussagen dieser Art im Zusammenhang mit der Situation des Agrarhandels brachten es in Hamburg auf den Punkt. Das schnelle Geldverdienen ist vorbei – die Leichtigkeit des Seins dahin. Die jüngeren Marktteilnehmer kannten bisher fast nur florierende Geschäfte in der Agrarbranche und dürften sich in den vergangenen Monaten das eine oder andere Mal die Augen gerieben haben. Während in der Hochphase der Exportmöglichkeiten von Weizen in den zurückliegenden Jahren zudem neue Unternehmen wie Pilze aus dem Boden schossen, um an diesen Geschäften zu partizipieren, sind einige mittlerweile wieder ganz von der Bildfläche verschwunden. Die Rechnung ist offenbar nicht aufgegangen. 

Ständig nachgebende Kurse für Getreide in den vergangenen Monaten haben die Geschäftstätigkeit gelähmt- auch wenn immer irgendwo irgendein Geschäft möglich war. Die Hoffnung auf weiter sinkende Preise bei den Käufern und auf wieder anziehende Notierungen bei den Verkäufern erschweren Abschlüsse nach wie vor. Von einer ausreichenden Marge beim Handel traut sich niemand zu sprechen.

Die vergangenen Tage mit den festeren Kursen für Getreide und Ölsaaten an den internationalen Börsen haben allerdings wieder etwas Stimmung in den Markt gebracht. Die Fonds diesseits wie jenseits des Atlantiks haben Geld zu verteilen und ihre Short-Positionen in Long-Positionen umgewandelt. Das ging am Kassamarkt nicht vollends vorbei. Plötzlich gab es wieder Geschäft. Ein gewisses Blitzen in den Augen von Teilnehmern auf der Branchenveranstaltung war nicht zu übersehen. 

Die neue Ernte und die bekannten Bestände werden voraussichtlich erst einmal weiter Druck auf die Preise ausüben, so weitestgehend die Meinung auf der Börse. Dennoch gibt es auch Skeptiker. Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen, nichts in Stein gemeißelt. Die Zeit der immer wieder aktualisierten Ernteerwartungen unter den Vorzeichen der allgemein ungeliebten Wettermärkte in den kommenden Wochen ist angebrochen - der Frühsommer mit seiner gefürchteten Trockenheit nicht überstanden. Die Mähdrescher sollten erst einmal rollen, damit ein genaueres Bild entstehen kann. Die aktuelle Entwicklung der vergangenen Tage zeigt zudem wie schnell sich das Blatt wenden kann. Spielraum nach oben und nach unten wird den Getreidekursen allemal eingeräumt. 

Damit sind auch weitere mögliche Szenarien in Erinnerung gerufen. Wenn alle in eine Richtung laufen, wurde der Blick für andere Wege schon immer versperrt.  
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