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Daphne Huber-Wagner zum Deutschen Bauerntag

 Am Ende des Deutschen Bauerntages in Erfurt verlassen Landwirte und Funktionäre erschöpft aber mit aufrechtem Gang die Messehallen in Erfurt. Nach zwei Tagen intensiven und detailversessenen Grundsatzdiskussionen der Basis über das Leitbild der deutschen Landwirtschaft sind zwar die Stimmbänder arg strapaziert, aber das Selbstverständnis und vor allem das Selbstbewusstsein der Bauern ist einigermaßen wieder hergestellt. Die Energiespeicher sind gefüllt, denn draußen wartet eine kritische Bevölkerung, die den Berufstand als Tierquäler und Umweltverschmutzer an den Pranger stellen. „Reden sie mit uns und nicht über uns“, ist der eigentliche Leitspruch von Erfurt. Mit diesem Aufruf sollen die Mitglieder des Deutschen Bauernverbandes ausschwärmen und in die Diskussionen um moderne Landwirtschaft einsteigen.

Sich gegenüber der Gesellschaft öffnen und bereit sein, Veränderungen mitzugestalten. Das ist ein hoher Anspruch, den sich die Teilnehmer in Erfurt selbst auferlegt haben. Ihnen bleibt nur diese Chance, um der zunehmenden Ausgrenzung und den Anfeindungen entgegenzutreten. Dabei darf es aber auch unter den Berufskollegen kein schwarz-weißes Bild von guter ökologischer und schlechter konventioneller Produktion geben. Das tut ja nicht einmal der Verband selbst. Insofern waren die endlosen Wortmeldungen zur Erfurter Erklärung am ersten Versammlungstag ein gutes Beispiel dafür, wie nervenaufreibend Basisarbeit sein kann, aber es am Ende doch gelingt, ein gemeinsames Positionspapier zu verabschieden. Denn eins ist den Teilnehmern klar geworden: Die Politik hilft ihnen in der Debatte vor Ort nicht. Landwirte müssen diese schon selbst führen und mit eigenen Initiativen ihre Mitbewohner davon überzeugen, dass sie nicht beim kleinsten Anlass den Tieren Antibiotika verabreichen oder wahllos Pflanzenschutz- und Düngemittel auf die Felder kippen.

Einzustehen für eine moderne Landwirtschaft heißt aber auch, mit den Landespolitikern und Behörden ins Gespräch zu kommen. Und das bitte schön schon lange bevor staatliche Vorgaben wie Filterpflicht für Schweinebetriebe oder Pflugverbot in Wasserschutzgebieten in Kraft treten. In der Erfurter Erklärung bekennt sich der Berufstand zum kooperativen Naturschutz. Hiervon kann Bauernpräsident Joachim Rukwied nach eigenem Bekunden als Junglandwirt in Baden-Württemberg nur Gutes berichten. Doch auch hier ist die Suche nach Kompromissen nervenaufreibend und von herben Rückschlägen gekennzeichnet.

„Reden sie mit uns und reden sie nicht über uns.“ Dieser Satz stammt von einem Landwirt in Bayern. Er ist bereit aufzustehen und wirbt für eine moderne Landwirtschaft. Mitstreiter sind herzlich willkommen, denn sonst scheitert das gerade aufpolierte Selbstbewusstsein mangels Teilnehmer. In Erfurt ist ein Hauch von Bundestagswahlkampf 2017 spürbar. Da wird Landwirtschaft mit Sicherheit ein wichtiges Thema sein, dem sich alle Parteien widmen, um Wählerstimmen zu werben.
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