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Horst Hermannsen über betagte Zukunftsgestalter

Das Ereignis war äußerlich opulent und inhaltlich dürftig. Da diskutierten kürzlich beim Wirtschaftsbeirat Bayern Altenteiler aus der „Zukunftskommission Landwirtschaft“. Auf die angekündigten Ergebnisse und Perspektiven der Kommission wartete das Publikum indes vergeblich. Die Podiumsdiskussion machte vor allem eines deutlich: Betagte Herren, die ihren 60. Geburtstag bereits weit hinter sich gelassen und sich teilweise dem 70. nähern, sollten „Zukunftskommissionen“ nicht als Bühnen für ihr Darstellungsbedürfnis benutzen. Denn dafür ist die Zukunft der Landwirtschaft zu wichtig.

Auf dem Podium saßen Franz Fischler, vormals EU-Agrarkommissar, Gerd Sonnleitner, vormals Präsident des Bayerischen Bauernverbandes und Manfred Nüssel, noch Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes und auf unabsehbare Zeit Aufsichtsratsvorsitzender der Baywa AG. Um der Veranstaltung Glanz zu verleihen, sollte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zunächst ein Impulsreferat halten. Das tat er allerdings nicht. Vielmehr badete sich der Ministerpräsident wortgewaltig und inhaltsarm in hinlänglich bekannten Allgemeinplätzen „Ich danke den Bauern, dass sie uns ausreichend mit gesunden Lebensmitteln versorgen“. Oder „Gerd Sonnleitner war ein guter Bauernvertreter, der Anerkennung verdient“. Solche Sätze gehörten noch zu den bedeutungsvollsten Aussagen Seehofers.

Dass bei dem persönlichen, politischen und gesellschaftlichen Gleichklang des Podiums keine Spannung aufkommen konnte, überraschte nicht. Sonnleitner, der zum wiederholten Male Aldi, Lidl und Co, also die wichtigsten Kunden der Bauern, wegen sinkender Milchpreise beschimpfte, wirkte ermüdend. Manfred Nüssel, der zeitweise den Eindruck vermittelte, er sei mit wichtigeren Dingen beschäftigt, philosophierte wie schon seit vielen Jahren über die noch zu schaffenden „Leuchttürme“ in der süddeutschen Molkereiwirtschaft. „Wir müssen mehr auf den Export bauen, so der Raiffeisen-Chef, „dann kann uns der Lebensmittelhandel nicht mehr erpressen“. (Unter uns gesagt, Herr Präsident Nüssel, der Druck auf die Preise für Milch und Molkereiprodukte kommt aktuell gerade vom Exportmarkt). Ministerpräsident Seehofer überraschte dann noch mit der für ihn wohl völlig neuen Erkenntnis: „In Bayern gibt es zu viele Molkereien“. Wer hätte das gedacht.

Der unnachahmliche Franz Fischler war eine absolute Bereicherung der Veranstaltung. Weniger durch seine Aussagen, als vielmehr durch seine Art. In seiner sonoren österreichischen Spracheigentümlichkeit schlug er noch einmal die Schlachten von Gestern und Vorgestern.

Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der Baywa AG und seit geraumer Zeit auch noch für den Fachausschuss Ernährung und Agrarpolitik im Wirtschaftsbeirat zuständig, hatte als Moderator seine liebe Not mit den Diskutanten. Keine seiner Fragen wurde wirklich beantwortet. Andererseits verriet seine Mine gelegentlich, dass er die Protagonisten nicht sonderlich ernst nahm. Auch ihm dürfte klar sein, dass keiner der Verbandfunktionäre und politischen Akteure eine wie auch immer geartete Ergebnisverantwortung trägt. Herr Lutz, ein Tipp: Über die Zukunft der Landwirtschaft, spricht man am besten mit aktiven Unternehmern und dem landwirtschaftlichen Nachwuchs. Die können auch mehr mit der Werbung für ihr Unternehmen BayWa anfangen, die Sie unübersehbar geschickt bei der Veranstaltung platzierten.
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