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Olaf Schultz zum Landtechnikmarkt nach Russlands WTO-Beitritt

Landtechnik „Made in Germany" hat seit der politischen Wende einen guten Ruf im russischen Agrarsektor. Dafür sorgen Schlagkraft, Qualität und Service. Mittlerweile gehört das Land zu den wichtigsten Exportmärkten für die hiesigen Hersteller. Nach 18-jährigen Verhandlungen könnte der WTO-Beitritt des Riesenreichs künftig für neue, derzeit noch ungeahnte Potenziale sorgen. Wohlgemerkt: könnte. Denn ob die Verpflichtung Russlands, seine Märkte stärker zu öffnen, auch zu einem Abschied von Korruption, Bürokratie und Rechtsunsicherheit führt, steht auf einem anderen Blatt.

Dass politisch motivierte Markteingriffe Geschäfte massiv beeinträchtigen können, wurde in der Vergangenheit auch für die Landmaschinenhersteller empfindlich spürbar. Tarifäre Handelshemmnisse wie Schutzzölle zeigten Wirkung. Die neue Mitgliedschaft in der WTO schiebt davor zwar künftig einen Riegel. Andererseits hält beispielsweise der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Sektor Landtechnik, die Verlagerung bisheriger Handelshemmnisse in den nicht-tarifären Sektor für möglich. Widerspiegeln könnte sich das etwa in eingeschränkten Zugangsmöglichkeiten zu Förderungsprogrammen. Ein anderes Beispiel wären Vorgaben der technischen Gesetzgebung, etwa die Zertifizierung nach veralteten russischen Normen.

Nach Einschätzung von Russland-Kennern werden im Machtzentrum Moskau bereits auch anderweitige Pläne geschmiedet, um heimische Hersteller von landwirtschaftlichen Maschinen weiterhin zu stützen und bestehende WTO-Verpflichtungen auszuhebeln.

Genau solcher Einfallsreichtum auf russischer Seite ist hinlänglich bekannt und dämpft auch jetzt die Vorfreude deutscher Unternehmer auf den „neuen" Handelspartner.

„Mehr Skepsis und weniger Euphorie" lautet deshalb das Gebot der Stunde - hinter vorgehaltener Hand, versteht sich.
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