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Horst Hermannsen zur Schieflage bei Solarworld

Eine gute Nachricht gibt es, immerhin: Auch wenn die Solarworld AG, wie Beobachter auf dem Börsenparkett befürchten, sich demnächst in die Insolvenz verabschiedet - Firmenchef Frank Asbeck muss sich privat wenig Sorgen machen. Frühzeitig hat der planwirtschaftlich gefütterte grüne Anti-Unternehmer die Blase der Solar-Utopie erkannt. Wie kein anderer macht er, der einstige Branchenprimus, das gesamte Ausmaß des Unfugs deutlich. Seine Aussage, Solarworld sei im Kern gesund, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Die jüngste Ankündigung, man werde mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt sprechen müssen, um die Bilanz zu entlasten, lässt jedenfalls einen anderen Schluss zu.


Asbeck ist das Paradebeispiel der Paradoxie im Narrenhaus der aktuellen Solarwelt. Natürlich ist er Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Davon haben beide, die Partei und er, in vielfacher Weise profitiert. Das politisch gestrickte und bis heute ideologisch behaftete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat ihm zu einem gigantischen Vermögen verholfen. Asbeck liebt die Attitüde des Emporkömmlings. Er genießt es, wenn man ihn Sonnenkönig nennt. Gelegentlich bezeichnet er sich sogar selbst so. Der Spritfressende Maserati mit 300 PS und andere Luxuskarossen gehören ebenso in dieses Bild wie aufwendige Gesellschaftsjagden. Immer wieder landete er medienwirksame PR-Gags wie etwa 2008 die launige Ankündigung, alle vier deutschen Opelwerke übernehmen zu wollen. Asbeck ist für gute Witze stets zu haben; das mit Opel war so einer.  

Tatsächlich zeichnet den Selbstdarsteller Weitsichtigkeit zumindest bei der Anlage seines privaten Vermögens aus. Mehr als von der Zukunft der Solarindustrie ist der Agraringenieur von der Werthaltigkeit historischer Immobilien und Wald überzeugt. Wohl deshalb hat er in guten Zeiten Aktien verkauft und in "Solides" investiert. So lebt er seit Jahren in der von ihm erworbenen historischen Bankiersvilla „Chan" bei Bad-Godesberg. In unverbaubarer bester Lage, direkt am Rhein, versteht sich. Zu seinem 50. Geburtstag schenkte er sich mal so nebenbei das „Schloss Calmuth" bei Bad Godesberg, mit respektablen Umgriff, um seiner Jagdleidenschaft zu frönen. Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Schlösser, dachte sich wohl der barocke Lebemann Asbeck und kaufte, wie jetzt bekannt wurde, das neugotische „Schloss Marienfels" bei Remagen von dem Entertainer Thomas Gottschalk, für geradezu lächerliche 5 bis 6 Mio. €. Das Anwesen am Rhein soll Sitz einer gemeinnützigen Stiftung werden.

Stiftung ist immer gut, wenn es darum geht, einen Teil des Geldes vor dem gierigen Finanzamt  zu schützen. Das muss man ihm schon lassen: Der Parvenü spielt seine Rolle filmreif. Selbstverständlich ist er klug genug, um sein persönliches Vermögen nicht bei der angeschlagenen Solarworld AG zu investieren. Schließlich habe er bereits in früheren Jahren die AG mit ausgeplündert, beklagen jetzt plötzlich einige Aktionäre. In der Tat hat Solarworld, trotz Verlusten, 2011 Dividende ausgeschüttet und so Liquidität, die heute dringend fehlt, abgegeben. Wer mag sich darüber wundern? Asbeck, mit mehr als 28 Prozent Mehrheitsaktionär, war damit größter Nutznießer. Jeder Vorstand hat den Aufsichtsrat, den er verdient, heißt es üblicherweise. Solarworld ist ein hervorragendes Beispiel für diese Weisheit.

Bei aller Kritik: Asbeck verhält sich geradezu zwanghaft richtig. Sein Vermögen, dass zuvor mit einem politisch forcierten Raubzug den Stromverbrauchern abgepresst wurde, hat er hervorragend weil krisensicher gestreut. Dazu gehören auch seine Anteile an der Privatbank Hauck & Aufhäuser zu Frankfurt am Main.

Die Erklärung für die Schieflage seines Unternehmens hat es in sich: Die Chinesen subventionieren ihre Modulbauer, sodass Solarworld nicht mehr wettbewerbsfähig ist, sagt er. Sicher hat Asbeck, vor lauter Aufregung, vergessen, dass die gesamte Solarbranche in Deutschland ihre Existenz ausschließlich Subventionen zu verdanken hat. Logik freilich, ist eine Kategorie, die bei der Energiewende wenig gilt.     
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