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Stefanie Pionke zu Heudieben in den USA

Um "Hot & Dry", jene Dürre in den Vereinigten Staaten, die im vergangenen Sommer wochenlang die mediale Aufmerksamkeit auf sich zog, ist es vergleichsweise still geworden. Die Preise für Weizen, Mais und Soja, die, angefeuert durch die sengende Hitze im Mittleren Westen der USA, Rekordhöhen erklimmten, haben sich mittlerweile etwas abgekühlt. Doch das Thema ist für US-Landwirte noch längst nicht vom Tisch. Die nach wie vor hohen Preise für Futtergetreide und dessen mangelnde Verfügbarkeit haben ein neues Problem geschaffen: Heudiebstahl.

Betroffen sind vor allem ländlich geprägte US-Bundesstaaten wie Colorado, Oklahoma, Nebraska und Kansas, berichtet die "New York Times". Zu unterscheiden sind zwei Kategorien von Dieben: Die einen sind schlicht raffgierig und klauen Heu, um aus dem knappen Gut Profit zu schlagen. Bei der zweiten Grupppe handelt es sich um Dürre geschädigte Landwirte, die zu abgebrannt im finanziellen Sinne sind, um sich auf legalem Wege Viehfutter zu beschaffen.

Die meisten Diebe, die des nächtens Heuballen von fremden Feldern auf die Ladeflächen ihrer Pick-Up-Trucks wuchten, stehlen sich zwar mit weniger als einer Tonne davon. Doch in Einzelfällen sollen auch halbe Lkw vollgepackt worden sein.

Dabei können Polizei, Strafverfolgungsbehörden und die betroffenen Erzeuger nicht viel gegen die Verbrecher ausrichten. Ein Ballen Heu neigt nun einmal dazu, dem anderen zu gleichen. Das Diebesgut als solches zu identifizieren und seinem rechtmäßigen Besitzer zuzuführen, gelingt folglich in der Regel nicht. Im Mittleren Westen der USA riegeln Landwirte nun die Tore zu ihren Feldern mit dicken Schlössern ab oder sprühen den Namen ihres Betriebes auf die Ballen, um den Dieben das Leben zumindest etwas schwerer zu machen.

Dabei ist der Heudiebstahl nicht die einzige Erscheinungsform der jüngsten Kriminalitätswelle im ländlichen Raum der Vereinigten Staaten, berichtet die New York Times weiter: So haben Farmer unter dem Diebstahl von Trauben, ganzen Bienenstöcken und Avocados zu leiden. Hohe Preise für Altmetall machen Landmaschinen zu begehrter Beute.

Eine weitere Erscheinungsform der Kriminalität dürfte in direktem Zusammenhang zu "Hot & Dry" stehen: Windige Händler verkaufen online Viehfutter an Landwirte zu Preisen deutlich unter Marktniveau - ohne die bestellte Ware jemals zu liefern.
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