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Stefanie Pionke zur Stimmung am Getreidemarkt

Die alte Ernte ist lange durch, die neue noch weit weg. Die Bilanzen der meisten wichtigen Produzentenstaaten auf der Welt sind im Großen und Ganzen bekannt - von etwas Wettermarktgeplänkel über die südamerikanischen Sojabohnenernten einmal abgesehen. Was Händler oder Makler gerne in Worte wie "impulslos" kleiden, wenn sie die aktuelle Stimmung am Getreidemarkt beschreiben, ließe sich auch uncharmanter mit "langweilig" auf den Punkt bringen.

Wer tagtäglich über die Geschehnisse an den internationalen wie nationalen und regionalen Märkten berichtet, muss derzeit oft etwas genauer hinsehen und tiefer graben als in anderen lebhafteren Zeiten, um berichtenswerte Neuigkeiten zu finden. Diejenigen Agrarhändler, die momentan nicht gerade mit der Abwicklung von Exportkontrakten befasst sind, müssen sich sicherlich nicht vor übermäßigen Adrenalinschocks fürchten. Diesen Eindruck könnte man zumindest gewinnen. Denn Käufer und Verkäufer haben sich beide an die Seitenlinien des Marktgeschehens zurückgezogen: Die einen, weil sie auf fallende Preise hoffen, die anderen, weil sie auf steigende Notierungen setzen. Wohl dem, der in all der Lethargie den richtigen Vermarktungszeitraum abpasst!

Auch die Natur verhält sich derzeit recht unauffällig und ist offenbar nicht dazu angetan, die Marktwelt mit Kahlfrösten und Auswinterungen oder katastrophenartigen Dürren in Atem zu halten. Eine der wenigen spannenden Fragen, die noch bleiben, ist, wann die hiesigen Landwirte ernsthaft mit der Vermarktung der neuen Ernte beginnen werden. Denn die läuft in diesem Jahr bekannter Weise auf Sparflamme.

Ein Gradmesser für die aktuelle Impuls- und Richtungslosigkeit der Märkte war sicher auch, dass Händler und Verarbeiter auf der Börsenveranstaltung "Hannoversches Braunkohlessen" in dieser Woche den Vortrag zu dem Thema "Nachhaltige Vanillebeschaffung aus Madagaskar" bisweilen lebhafter diskutierten als das aktuelle Marktgeschehen.

Das Referat dürfte den einen oder anderen Börsenbesucher mit einem mulmigen Gefühl zurückgelassen haben. Denn der Aromahersteller Symrise, der sein Modell der Rohstoffsicherung in dem Vortrag beschrieben hat, greift zu folgender Strategie: Ohne Umwege über Erfasser oder Makler wird die Vanille direkt von den Landwirten bezogen. Ein Glück, dass dieses Modell so nicht eins zu eins auf Deutschland und Europa übertragbar ist, mag sich manch ein Erfasser gedacht haben. Zumindest waren einige Vertreter dieser Zunft sehr darum bemüht, darzulegen, warum Vertragsanbau in Deutschland wenig sinnvoll sei. Aufgeschlossener in der Frage zeigte sich manch ein Müller.
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