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Dr. Jürgen Struck zu Ministerin Hendricks

Eines muss man der amtierenden Umweltministerin lassen:  Konflikten geht sie nicht aus dem Weg, ja vielleicht sucht sie sie sogar. Nach den großen Wellen rund um die „Neuen Bauernregeln" stellte sich Barbara Hendricks in der vergangenen Woche in Minden in einer großen Halle rund 350 teilnehmenden Landwirten. Auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatte sich angemeldet.

Bereits vor einem Jahr hatte der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) mit seinem Präsidenten Johannes Röring die Umweltministerin zum Gedankenaustausch nach Minden geladen. Zu jener Zeit war von „Neuen Bauernregeln" oder anderen Absonderlichkeiten noch keine Rede. Man wollte einfach ernsthaft miteinander reden. Dass angesichts der aktuellen Ereignisse das Treffen in Minden nicht unbedingt harmonisch verlaufen würde, war absehbar. So kam es dann auch. Doch ergibt sich die Frage: Wer gewinnt dabei?

Dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, wird das Zitat zugeschrieben: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie ernstgenommen".

Wird dies zugrunde gelegt, dann wird Frau Hendricks in den Kreisen der Landwirtschaft sehr ernst genommen - Ziel erreicht. Und außerhalb der Landwirtschaft findet sie wahrscheinlich sogar viel  Verständnis. Dort geht man nicht so gern in die Details und irgendetwas bleibt immer hängen, wissen die Politprofis. Die gezielte Provokation und der anschließende Disput sind ein bewährtes Stilmittel im Bemühen um die Aufmerksamkeit außenstehender Gruppen. Im Fall der Bauernregeln wurden die Plakate eingerollt, Thema erledigt, Image bestätigt.

Auch der Vorstoß, Gästen des Bundesumweltministeriums - und zwar nur ihnen, nicht den Mitarbeitern -  zukünftig nur noch fleisch- und fischfreie Kost anzubieten, brachte Publicity. Sogar im Ausland wurde dies wahrgenommen, stieß jedoch wie auch hierzulande überwiegend auf Unverständnis. Gut, dass von der Landwirtschaft dazu Kommentare fast vollständig ausblieben.

Denn ein anderes wertvolles Stilmittel in Auseinandersetzungen ist die bewusste Ignoranz. Sie gilt als wertvolle Anti-Mobbing Strategie und hilft Konflikte zum eigenen Schaden zu vermeiden. Man stelle sich nur einmal vor, in Minden wäre die Halle leer geblieben. Der Landwirtschaft sei geraten, nicht über jedes hingehaltene Stöckchen zu springen. Denn die Zeiten des fachlichen Dialogs sind offenbar vorüber, besonders in Wahlkampfzeiten.  
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