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Steffen Bach zu den Perspektiven der Biogaserzeugung

Nach der EEG-Novelle im vergangenen Jahr ist die Ernüchterung in der Biogasbranche groß. Im 1. Quartal 2015 sind Neuanlagen mit einer Gesamtleistung von gerade einmal 4 MW ans Netz gegangen, vorwiegend kleine Gülleanlagen, die nach wie vor hohe Stromvergütungen erhalten. Hinzu kommt, dass bestehende Anlagen mangels Perspektiven spätestens nach den 20 Jahren EEG vom Netz gehen. Anlagen, bei denen demnächst größere Ersatzinvestitionen anstehen, werden nicht einmal das schaffen.

Bleibt alles so, wie es ist, werden zu Beginn der 2020er Jahre nicht nur die letzten Atomkraftwerke, sondern auch die ersten Biogasanlagen abgeschaltet. Kein gutes Timing, findet inzwischen auch mancher politisch Verantwortliche in Berlin. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele Biogasanlagen haben in Wärmenetze investiert, die häufig auch öffentliche Einrichtungen, wie Schwimmbäder, Schulen oder Krankenhäuser beliefern. Ohne Wärmelieferanten stünden viele dieser Netze vor dem Aus. Für viele Kommunen, die heute von den günstigen Wärmetarifen profitieren, wäre das mit steigenden Kosten und einer Rückkehr zu fossilen Energieträgern verbunden.

Um den Biogas-Ausstieg zu verhindern, müssen schnell die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Eines muss jedem Biogasanlagenbetreiber klar sein: Die Zeiten, in denen eine Biogasanlage eine Lizenz zum Gelddrucken war, kommen nicht wieder. Selbst wenn die Einspeisevergütungen angehoben werden sollten, dann nur auf ein Niveau, das den wirtschaftlichsten Anlagen das Überleben sichert. Das heißt, die Kosten müssen weiter runter, was angesichts schärferer Auflagen für die Sicherheit und den Umweltschutz schwierig genug ist. Auch auf der Erlös-Seite sind alle Register zu ziehen: Wärmeverkauf, Regelenergie, bedarfsgerechte Produktion.

Zwar ist und bleibt Biogas noch immer die teuerste erneuerbare Energie, doch hat es gegenüber Wind und Sonne einen großen Vorteil. Strom und Wärme können mit Biogas bedarfsgerecht produziert werden. Vergleicht man die Kosten des Biogasstroms mit denen der Stromspeicherung, ist Biogas unschlagbar günstig. Berater gehen davon aus, dass wirtschaftliche Anlagen eine Kilowattstunde Strom zu 15 Cent produzieren können. So günstig ist keine der zurzeit verfügbaren Speichertechnologien. Biogas könnte statt bisher 3.500 MW Grundlast in Zukunft 14.000 MW temporärer Leistung bereitstellen, um die Lücken aus der schwankenden Sonnen- und Windenergie zu schließen, meinen Experten. Alle deutschen Pumpspeicherwerke bringen es derzeit auf eine Leistung, die nicht einmal halb so hoch ist. Bei einem weiteren Ausbau der Solar- und Windenergie könnte Biogas die Schwankungen zwar nicht vollständig ausgleichen, dafür aber einen wesentlichen Beitrag liefern.

Der Gesetzgeber hat die Biogasbranche in den vergangen Jahren mehrfach kräftig durchgeschüttelt. Mal wurde Gas gegeben, dann wieder gebremst, schließlich die Ampel auf Rot gestellt. Was die Branche jetzt braucht, sind klare Perspektiven jenseits von Euphorie und Depression.
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