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Sabine Hedewig-Mohr zur Versorgung mit GVO-freiem Soja

Die Wellen schlugen hoch. Die Ankündigung des Zentralverbandes der deutschen Geflügelhalter (ZDG), dass die „Versorgung mit GVO-freiem Soja nicht mehr sichergestellt“ sei, hat nicht nur bei den Abnehmern, dem Handel für prompte Reaktionen gesorgt. Bei der Rewe hieß es „Eigenmarken bleiben gentechnikfrei“. Eine Äußerung , die angesichts der Konzentration in der deutschen Handelslandschaft offenbar keinen Zweifel mehr zulässt, was nach Köln zu liefern ist.

Widerspruch gab es auch von Seiten der Organisationen, die sich seit Jahren darum bemühen, dass Tierfutter in Deutschland möglichst frei von gentechnisch veränderten Bestandteilen ist. Vlog, Pro Terra und Abrange konterten „Gentechnikfreies Soja ausreichend und in hoher Qualität verfügbar“.

Wer sich eingehender mit der Materie beschäftigt, merkt schnell: Beide Seiten haben Recht. Natürlich ist es richtig, dass eine Garantieerklärung für GVO-freies Futter vielen Lieferanten immer schwerer fällt. Das liegt aber nicht an der prinzipiellen Verfügbarkeit der Ware. Im Gegenteil, im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso soll 50 Prozent mehr GVO-freies Soja produziert werden als vor einem Jahr.

Die Tücke liegt wie so oft im Detail, in diesem Falle an der EG-Verordnung Nr. 1829/2003. Hier wird europaweit geregelt, dass Soja nicht systematische Spuren von 0,1 bis 0,9 Prozent GVO enthalten darf. Dieses Kriterium ist offensichtlich zu hart. Das merkte auch die Firma Deutsches Frühstücksei, als sie auf der Suche nach einem Sojalieferanten waren. Der Richtwert war dauerhaft schwer einzuhalten, heißt es aus dem Unternehmen. Da suchten sie nach einer Alternative. Ein zertifizierter Lieferant aus Österreich liefert das GVO-freie Soja.

Die Parteien schlagen sich die Argumente um die Ohren: Während der Lieferung wird nicht sauber getrennt - es gibt bereits Soja, das im Container und nicht als Schüttware nach Europa kommt. Es liegt an den Verschmutzungen auf dem Acker - bei dem Selbstbefruchter Soja sind Kreuzkontaminationen weitgehend ausgeschlossen. Es gibt Rechtssicherheit oder es gibt keine Rechtssicherheit.

Wollte der Gesetzgeber gentechnisch verändertes Futter in Europa außen vorlassen, sollte er sich den Markt anschauen und die Gesetzgebung entsprechend ändern. Ein starres Festhalten an Werten macht nur Sinn bei Rückständen von gefährlichen Substanzen. Darum geht es aber in diesem Falle nicht. Es geht um eine politisch unerwünschte Technologie. Das kann man durchaus nachvollziehen.

Wenn man erreichen möchte, dass sich Alternativen zu GV-Futter auch gegen Widerstände durchsetzen und die Regel statt der Ausnahme werden, sollte man eine Anpassung der Regeln vornehmen. Mit dem aktuellen Regelwerk erreicht man eher das Gegenteil. Der Verband ZDG sagt, das geht nicht. Dann lehnen sich alle zurück und sagen: „Dann können wir ja auch alle wieder GV-Futter kaufen.“ Damit ist niemandem gedient.
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