--

Stefanie Awater-Esper zu Berliner Personalfragen

Ganz Deutschland diskutiert über den Seitenwechsel von politischem Personal in die Wirtschaft. Der aktuelle Fall von Eckart von Klaeden, der noch für die CDU Staatsminister im Bundeskanzleramt ist und Ende des Jahres als Cheflobbyist zum Autokonzern Daimler wechselt, ist nur ein Beispiel auf ranghoher Ebene. Der scharenweise Übergang von der Politik in die Wirtschaft zieht sich derzeit durch den ganzen Regierungs- und Parlamentsapparat.

In Berlin hat das große Stühlerücken begonnen. Auch wenn regelmäßige Wahlbarometer vermeintliche Klarheit über den Ausgang der Bundestagswahl im September verbreiten wollen. Quer durch alle Parteien versucht so mancher, seine Schäfchen lieber im Vorhinein ins Trockene zu bringen. Auch die Agrarbranche ist da nicht ausgenommen.

Agrarministerin Ilse Aigner tritt als prominenteste Politikerin erst gar nicht mehr zur Bundestagswahl an. Sie verschwindet lieber auf den als gesichert geltenden Landtagsplatz und setzt dort auf größere Aufgaben in der CSU-Landtagsfraktion.

Das politische Personal ist aber vor allem für die Branchenverbände spannend. Auch das ein Grund, warum derzeit in Berlin Personalien in den Verbänden, auch beim Deutschen Bauernverband (DBV), heiß gehandelt werden. Man weiß ja nie, wer oder wie viele Leute nach der Wahl so zu haben sind. Schließlich entscheidet der Wähler über Direktmandate für den Bundestag und die Listenplätze werden von den Parteien oft nach einem komplizierten Proporz verteilt.

Es sind aber nicht nur die Prominenten, die schauen, wo sie bleiben. Ein Heer an Mitarbeitern hängt an den gewählten Bundestagsabgeordneten. Sie alle verfügen über gute Kontakte zu politischen Entscheidern und interne Informationen aus dem Politikbetrieb. Das ist von enormem Interesse für die Lobbygruppen in Berlins Bannmeile.

Zwei Personalmeldungen aus den letzten Wochen können da nicht verwundern. Der noch relativ neue Verein „Die Lebensmittelwirtschaft" hat sich Mitte Mai Christoph Metzner geholt. Der bisherige Büroleiter und wissenschaftliche Mitarbeiter der FDP-Agrarsprecherin im Bundestag, Christel Happach-Kasan, soll dort die Kommunikation auf Trab bringen.

Ab Mitte Juli verpflichtet der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) Stefan Zwoll als neuen Geschäftsführer. Zwoll ist bis dahin noch Büroleiter und wissenschaftlicher Referent bei Wilhelm Priesmeier, dem Agrarsprecher der SPD im Deutschen Bundestag.

Schon zum 1. Januar 2012 ist der Strippenzieher aus der Arbeitsgruppe Agrar der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Stephan Arens, als Geschäftsführer zur Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) gewechselt. Es bleibt also über den Sommer und Herbst 2013 spannend, welche Personalmeldungen aus Politik und Agrarverbänden noch folgen werden.
stats