--

Dagmar Behme zur Endlosdebatte um Glyphosat

Glyphosat gilt Umweltaktivisten als Teufelszeug. Der Einsatz des Totalherbizids in der Landwirtschaft steht unter Dauerbeschuss. Jüngster Vorwurf aus München: Analysen aus Nordrhein-Westfalen hätten 2011 zum Teil unzulässig hohe Rückstände in Brot- und Futtergetreide gezeigt. Daten, mit denen die Vorwürfe untermauert werden, sind jedoch nicht zugänglich.

Kenner der politischen Szenerie kommen ins Grübeln. Seit zwei Jahren ist das Düsseldorfer Agrarministerium fest in grüner Hand, und Minister Johannes Remmel hat sich seither nie gescheut, Analysedaten zu veröffentlichen, wenn sie die Skepsis gegenüber der konventionellen Landwirtschaft verstärken. Bislang zählte in Düsseldorf: Schnelligkeit vor Genauigkeit.

Wenn doch die Rückstände so alarmierend sind: Warum also kam aus dem Ministerium noch keine Warnung zu Glyphosat? Eine Anfrage der agrarzeitung in Düsseldorf führt ins Leere. Wenig erhellend ist auch die Recherche im Münchner Umweltinstitut. Sprecher nennen als Quelle für die Berichte zu Glyphosat-Rückständen „eine schriftliche Antwort eines Referatsleiters“, den sie aber namentlich nicht nennen wollen. Umso konkreter sind die Vorwürfe. Es sei „skandalös“, so das Umweltinstitut, dass der Bauernverband „weiter zu diesem unsinnigen Gifteinsatz auffordert“.

Seit Jahren steht Glyphosat unter Beschuss. Der Wirkstoff selbst ist jedoch nach allen bisherigen Erkenntnissen bei sachgemäßem Einsatz harmlos. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) führt in seinen Verzeichnissen aktuell 75 zugelassene Herbizide auf, die Glyphosat enthalten. In der Landwirtschaft ist Roundup das bekannteste Mittel.

Besonders begehrt sind übrigens zahlreiche der 44 Mittel, die das BVL als geeignet für den Einsatz in Haus- und Kleingärten erklärt. Sie stehen als Permaclean oder Vorox in den Regalen der Grünen Märkte und werden beworben mit Slogans wie „Oder macht Ihnen das Unkraut Jäten Spaß?“ Der Spaß vergehen könnte auch manch einem Hobbygärtner, wüsste er, dass ausgerechnet der Wirkstoff aus diesen hilfreichen Mittelchen jetzt angeblich in Urinproben von Menschen nachgewiesen worden ist. Solch „alarmierende Funde“ sollen an der Universität Leipzig dingfest gemacht worden sein, heißt es seit Tagen in den Medien.

Doch auch hier wiederholt sich das Muster. Die Leipziger Studie ist noch unter Verschluss. Ob die Daten wissenschaftlich belastbar sind, lässt sich nicht prüfen. Und schon gar niemand warnt jetzt Hobbygärtner und fordert sie auf, aus gesundheitlichen Gründen wieder zur Unkrauthacke zu greifen. Konventionell wirtschaftende Landwirte müssen dagegen für solch substanzlose Medienkampagnen herhalten.
stats