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Horst Hermannsen zu Molkerei-Genossenschaften

Der Genossenschaftsverband Bayern zeichnet sich im Bereich Molkereien durch Hilflosigkeit aus. Was soll er aber auch tun? Etliche Mitglieder stehen mit dem Rücken zur Wand. Attraktive Molkereiauszahlungspreise im Süden täuschen darüber hinweg, dass sie häufig nicht im Markt erwirtschaftet werden. Sie sind Ergebnis massiver Interessenskonflikte.

Ein maßgeblich vom Berufstand geführtes Unternehmen wird stets dem Milchpreis Priorität einräumen. Bauern genehmigen sich selbst höhere Auszahlungspreise als ihre Genossenschaft verkraften kann. Zu viele Verarbeiter sind für die Zukunft schlecht gerüstet. Niedrige Zinsen und Substanzverzehr retten sie noch über eine gewisse Zeit. Wer überhöhte Erzeugerpreise aus Rücklagen finanziert, verspielt seine Zukunft, weil er sich der Investitionsmöglichkeiten beraubt.

Mit fantasieloser Standardproduktion manövrieren sich Genossenschaften ins Abseits. Dabei macht ihnen vor allem die unattraktive Schnittkäsepalette zu schaffen. Sie ignorierten offensichtlich, dass hier Konkurrenten aus dem Norden während der vergangenen Jahre kräftig Gas gegeben haben und Produktionskapazitäten ausdehnten. Dies führte zur Kostenführerschaft. Der Süden kann da kaum mithalten.

Ob bei Bayernland, ob bei Milchwerken in Ulm oder Coburg: Es werden selten unverwechselbare Spezialitäten produziert. Entsprechend sieht manche Bilanz aus. Selbst die BMI, bei der sich in den vergangenen Jahren die beängstigenden Verhältnisse verbessert hatten, ist nicht unangefochten. So verloren die Landshuter beachtliche Milchmengen an rührige private Konkurrenten wie Zott und die Naabtaler Milchwerke.

Unbestritten macht sich der überversorgte regionale und globale Milchmarkt nachteilig bemerkbar. Das politisch fragwürdige und wirtschaftlich schmerzhafte Russlandembargo darf nicht unerwähnt bleiben. Die Folgen dürften lange nachwirken. Zwar sprechen Beobachter davon, dass insgesamt der Export gar nicht so stark zurückgegangen sei. Statistisch gesehen ist diese Erkenntnis nicht einmal falsch. Weggebrochen sind jedoch gute Verwertungen in Russland und in China. Mit anderen Worten: Es fehlt das Geld.

Der auch von Genossenschaftlern mantraartig geäußerte Vorwurf, der Lebensmittelhandel (LEH) fahre „Niedrigpreisstrategien“ und zwinge so Molkereien und Bauern in die Knie, ist Augenwischerei, die Solidarität mit den Bauern heuchelt. Tatsächlich soll von eigenen Versäumnissen ablenkt werden. Die Milchwirtschaft befindet sich keineswegs in einer einseitigen Abhängigkeit. Gerade mal 37 Prozent der in Deutschland produzierten Milch fließen in den LEH. Die Hälfte wird exportiert, der Rest geht in die Verarbeitung.

Süddeutsche Genossenschaftsmolkereien reden viel übereinander und wenig miteinander. Man muss nicht an die Desaster von Allgäuland, Bezirksmolkerei Ansbach und anderen erinnern um zu prognostizieren: Die Melange zwischen falsch verstandenem Förderauftrag, familiärem Postengeschachere und betriebswirtschaftlichem Dilettantismus münden in gefährliche Schieflagen.

Dabei gibt es auch in Bayern durchaus nachahmenswerte Vorbilder, wie ein Blick in die Bücher der Milchwerke Berchtesgadener Land eG zeigt. Wenn ein sachkundiges Ehrenamt am gleichen Strang wie die Geschäftsführung zieht, profitieren alle. So etwas ist bei süddeutschen Genossenschaftsmolkereien freilich selten.
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