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Horst Hermannsen zum EEG

Die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel versprochene Kostenbremse hat sich – erwartungsgemäß – als Verbrauchertäuschung entpuppt. Die vier Stromnetzbetreiber teilten im Oktober mit, die Umlage zur Finanzierung der sogenannten erneuerbaren Energien werde im kommenden Jahr auf 6,354 Cent je Kilowattstunde (kWh) – plus Mehrwertsteuer – steigen. Was auf den ersten Blick harmlos wirkt, hat es in sich: Bei Einführung der Zwangsumlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) durch die damalige rot-grüne Bundesregierung waren es lediglich 0,37 Pfennige gewesen.

Viel Geld für Traumtänzerei

Diese Verdreiunddreißigfachung (!) bedeutet, dass eine Familie mit einem Stromverbrauch von 5.000 kWh wegen der Subventionierung von Biomasse-, Wind- und Solarstrom 378 € pro Jahr für eine ideologische Traumtänzerei abdrücken muss. Die Umlage gleicht die Differenz zwischen dem Börsenpreis für Strom und der den Betreibern von Ökostrom-Anlagen für 20 Jahre garantierten Einspeisevergütung aus.

Längst hat sich der Strommarkt hierzulande zum absoluten Subventionsmarkt entwickelt. Der Verbraucher befindet sich in politischer Geiselhaft. Er wird gezwungen, sogar den EEG-Strom, der zwar erzeugt, aber nicht gebraucht wird, zu bezahlen. Selbst Windstrom, der wegen fehlender Leitungen an den norddeutschen Küsten nicht genutzt werden kann, muss nach dem EEG finanzieren werden, obwohl er keinerlei Wirkung in der Stromversorgung hat. Weitere gigantische Summen verursacht der Leitungsbau für EEG-Strom aus dem Norden, der bei der bisherigen Energieversorgung nicht erforderlich war.

Gegenleistung Zufallsstrom

Gut 23 Mrd. € müssen die deutschen Verbraucher voraussichtlich im kommenden Jahr für die Ökostrom-Subventionen bezahlen. Und da der Preise an der Strombörse infolge der wachsenden Überproduktion von Wind- und Solarenergie weiter sinkt, wird die Umlage in den kommenden Jahren weiter steigen. Und was bekommt die Gesellschaft dafür? Zufallsstrom! Eine weitere Gegenleistung dafür ist angeblich ein Betrag zum Schutz des Klimas durch die Verminderung des Kohlendioxidausstoßes. Tatsächlich wurde jedoch durch 25.000 Windräder und unzählige Solarpanele, die zu einer nicht vorstellbaren optischen Umweltverschmutzung führten, unterm Strich noch keine einzige Tonne Kohlendioxid eingespart, weil bislang die Dreckschleudern Kohlekraftwerke in Betrieb bleiben müssen, um eine sichere Stromversorgung aufrechtzuerhalten.

Der Wind weht eben wann er will. Und bei Solar gibt es nur eine einzige absolute Sicherheit: In der Nacht kommt nix. Die Hauptaufgabe der ökologisch fragwürdigen Biogasanlagen wiederum ist die einer Ersatzintervention. Geradezu hanebüchen erweist sich in Teilbereichen die Wärmenutzung. Dabei hat sich in der Praxis bewährt, die Heizung im Haus aufzudrehen und gleichzeitig die Fenster zu öffnen, damit der "Wärmebonus" fließt. Zu beobachten ist auch die Trocknung zum Beispiel von Hackschnitzeln auf offenem Anhänger unter freiem Himmel, damit der "Wärmegenerator" brummt. Bei entsprechenden Niederschlägen werden die Schnitzel wieder nass. Eine Art beständiger Kreislauf der Nutzlosigkeit also.

Für die Betreiber der Anlagen lohnt sich das Geschäft. Keinem, der die Verzinsung politisch-ideologischer Realitätsverweigerung kassiert, sollte man einen Vorwurf machen, solange er nicht scheinheilige Umweltargumente für sein Verhalten ins Feld führt.

Mit den Fortschreiten der sogenannten Energiewende in Deutschland steigen die Emissionswerte in diesem Land weiter an. Deutsche Regierungen belehren zu gerne den Rest der Welt. Dabei zeigen sie häufig genug, wie es nicht funktioniert. Deshalb reagiert dieser Rest der Welt oftmals ganz anders: Es wird zwar global auch alternative Energie nachgefragt, doch Planung und Bau von Atomkraftwerken erreichen neue Rekordzahlen. Europa macht da keine Ausnahme. In Polen, England, Rumänien, Tschechien, Ungarn…überall entstehen neue AKW – auch für die Versorgung Deutschlands. Nicht einmal die „Atom-Ruine“ im französischen Fessenheim wird abgeschaltet.

Wie uneinsichtig doch die anderen sind!
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