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Daphne Huber-Wagner zum internationalen Wachstum von Nordzucker

Was so alles mit Wille und Leidenschaft zu erreichen ist, konnte sich Nordzucker-Chef Hartwig Fuchs bei einigen Fußballspielern der Weltmeisterschaft in Brasilien abschauen. Denn ebenso motiviert stellte sich der Manager in den vergangenen Wochen in verschiedenen Arenen hinter das Rednerpult, um die Zuhörer aus der Landwirtschaft auf die Zeit nach 2017 einzustimmen, in der nach dem Ende der Zuckermarktordnung keine Lieferquoten und Preissicherheiten für Zuckerrüben mehr gelten.

Höhepunkt der Vorstellungsrunden waren in dieser Woche die beiden Hauptversammlungen der Nordzucker Holding und Nordzucker AG in Braunschweig. Ganz im Trainermodus warnte Fuchs vor den Gegnern, welche den bislang geschützten europäischen Markt stürmen wollen. „Nach 2017 haben wir es mit global agierenden Konzernen zu tun“, schwört Fuchs seine Truppe ein. Gemeint sind beispielsweise die Agrarkonzerne Cargill und Wilmar, die bereits heute als Global Player auf den internationalen Zuckermärkten punkten.

Schon allein deshalb bestehe für ein europäisch aufgestelltes Zuckerunternehmen der Zwang zum Wachsen und die Offenheit gegenüber neuen Allianzen, meint Fuchs. Im Gegenzug benennt er die eigenen Schwachpunkte: Denn Zukäufe sind für Nordzucker - dem nach Südzucker zweitgrößten Produzenten in Europa - kartellrechtlich heikel. Was liegt also näher als sich international umzuschauen.
Fuchs, ein bekennender Afrika- und Asien-Fan, zieht es besonders in diese Länder. „Wir können Zucker am besten und werden deshalb nicht diversifizieren“, lautet seine Devise.

Bleibt es also beim Stammprodukt Zucker. Hier hat der Vorstand schon seit längerem Pläne, sich in Afrika mit dem Bau einer Zuckerfabrik zu engagieren. „Wir müssen vom Markt her denken, also von hinten: Wieviel Zucker kann ich wann wo verkaufen?“ teilt er der erstaunten Hörerschaft mit. Nordzucker will regionale Märkte erobern, vor Ort Zucker produzieren und verkaufen und damit Geld verdienen. Davon könnte für Anteilseigner eine Prämie herausspringen.

Doch so richtig stehen die Aktionäre noch nicht hinter den neuen Spielplänen. Zu sehr sitzt ihnen noch der Schrecken von überstürzten und teuren Zukäufen in Skandinavien und Serbien im Nacken. Sie haben Nordzucker vor einigen Jahren in arge Schieflage gebracht. Noch heute läuft ein Sparprogramm, das jeder zu spüren bekommt. Verständlicherweise sind die Rübenbauern verunsichert, wissen sie selbst doch nicht, mit welchen Preisen sie ab September 2017 für ihre Rüben kalkulieren können. Denn erste Ergebnisse über die Verhandlungen mit den Rübenanbauverbänden dürften frühestens auf den Winterveranstaltungen vom Trainerstab bekannt gegeben werden.

Fuchs nimmt die Bedenken der Aktionäre gegenüber einem Auftritt im fernen Afrika ernst. Jedes Projekt wird nach den Maßstäben und Voraussetzungen, die Nordzucker anstellt, überprüft. Werden diese nicht erfüllt, lässt er die Finger davon. Aber aus Angst vor Risiken nichts zu tun, ist ein schlechter Spielzug. Chancen werden vertan. Das wissen Fuchs und alle Aktionäre. Vielleicht gibt das Endspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien Einblick darüber, wie wohl dosiertes Risikomanagement zum Weltmeistertitel führen kann.(da)
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