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Peter Seeger zur TA-Luft

Mit den Zusagen bei dem Klimagipfel in Paris hat sich Deutschland hohe Ziele gesetzt. Die Wirtschaft soll die Treibhausgasemission  bis 2050 um 80-95 Prozent reduzieren, bezogen auf das Jahr 1990. Diese Bezugsbasis hat für mich einen merkwürdigen Beigeschmack, da Deutschland seitdem die Schwerindustrie in Ostdeutschland zum großen Teil abgeschaltet und energieintensive Branchen in das Ausland verlagert hat. Die Reduktion um 25 Prozent, die wir angeblich schon erreicht haben, hat für mich bisher nichts mit einer Änderung der Lebensgewohnheiten zu tun. Zumindest sehe ich auf deutschen Autobahnen deutlich mehr Autos mit 3 Liter Hubraum als mit 3 Liter Kraftstoffverbrauch pro 100 km. Wo wir Emissionen einsparen wollen, ist mir schleierhaft.

Auch die Landwirtschaft verschiebt die Emissionen nur

Die Situation in der Landwirtschaft ist vergleichbar. Sie ist angeblich für 8 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich. Auch hier war die Abstockung der ostdeutschen Tierbestände ein wichtiger Faktor der bisher erreichten Reduktionen. Zudem kommt ein Großteil der Emissionen aus der Methanproduktion der Wiederkäuer. Da diese in der Produktion kaum zu verringern ist, könnten wir unsere Bilanz nur durch eine erhebliche Reduktion der Tierzahlen verbessern. Dabei sehen wir das Dilemma des Erfolges: die reduzierte Produktion wird nur in andere Länder verlagert, mit allen negativen Folgen für die Struktur in den Dörfern, besonders in Grünlandregionen. Die Produktion mit seinen Emissionen findet aber trotzdem statt. 

Komplexe Auflagen haben vor allem einen Effekt: Reduzierung der Tierhalter

Ein wichtiger Bestandteil der Minderungsstrategie der Bundesregierung ist die „Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ (TA-Luft). Den meisten ist sie als Filtererlass für große BImSchG-Anlagen ein Begriff. Aber auch kleinere Anlagen und neue Bauvorhaben müssen die Emissionen um 40 Prozent reduzieren. Somit sind viele Tierhalter betroffen.
Mehr Tierschutz, wie der geforderte Auslauf oder zusätzliche Fenster führen zu einem neuen Genehmigungsverfahren. Das ist in vielen Fällen in viehdichten Gebieten, auch ohne eine Erweiterung der Tierzahlen, aber nicht mehr einfach genehmigungsfähig. Zudem werden viele bisherigen Minderungsmaßnahmen wie nährstoffreduzierte Fütterung bei der Neugenehmigung als Standard angesehen und reduzieren nicht mehr die Emissionen. Maßnahmen zum Tierwohl wie Gruppenhaltung im Deckzentrum oder mehr Platz für Ferkel im Aufzuchtstall, fordern immense Genehmigungskosten und teure Gutachten mit letztlich ungewissem Ausgang.
Kann es sein, dass die Bundesumweltministerin Hendricks durch die komplexen Auflagen eigentlich die Tierhaltung reduzieren will? 
Dies sehe ich als Überschreitung ihrer Kompetenzen an und hoffe, dass Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt dies nicht zulässt und sich energisch für die Landwirtschaft einsetzt.
Ganz besonders wichtig sind für mich folgende drei Aspekte:
1. Alle Maßnahmen müssen im Vorfeld auf Kosten und Nutzen untersucht und eingestuft werden.
2. Die Auswirkungen der umfassenden Neuregelung der TA-Luft müssen für Pilotbetriebe deutschlandweit im Neu- und Umbauten ermittelt werden. Daraufhin können die Folgen für die Agrarstruktur abgeschätzt werden.
3. Die Berufsverbände sollen sich dieser sehr komplexen Thematik annehmen. Politiker und Bürger müssen auf die Folgen für die Betriebe in einer einfachen und verständlichen Form hingewiesen werden.
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