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Peter Seeger zu Minister Schmidts Tierwohlinitiative

Transparenz für den Verbraucher soll geschaffen werden. Ein holdes Ziel. Und sicherlich auch ein wichtiges Thema. Ich will nicht wissen, wie oft ein Verbraucher heute schon an der Theke nachgefragt hat, woher das Fleisch kommt oder wie die Tiere gehalten wurden. Anscheinend sind die Warteschlangen an der Frischfleischtheke so lang, dass diese Informationen nun staatlich geregelt werden müssen. Im Januar soll das staatliche Tierwohllabel eingeführt werden.


Zugegeben, es hat den Anschein, dass die Kennzeichnung von Frischei wirklich etwas gebracht hat. Der Kunde hat die Auswahl im Supermarkt und kann direkt auf dem Produkt nachvollziehen wie produziert wurde. Das Ei hat aber einen Riesenvorteil gegenüber Schweinefleisch: Wenn der Stapel Freilandeier zuneige geht, kann der Einzelhändler einfach neue Freilandeier im Zentrallager bestellen. Wenn die Bodenhaltungseier noch ein paar Tage länger stehen, macht das bei diesem Produkt nichts aus. 


Anders ist das beim Schwein. Es wird zu 140 verschiedenen Produkten verarbeitet. Somit muss ein teurer produzierter Schlachtkörper auch komplett hochpreisig in einem kurzen Zeitraum verkauft werden, damit nicht einzelne begehrte Edelteile die Abschnitte subventionieren müssen und dadurch exorbitant teuer werden. Das wäre so, als ob der Händler bei jeder Kiste Frühstückseier noch ein Freiland Suppenhuhn mitkaufen müsste. Zu diesen Problemen kommen noch erhebliche Logistikkosten für die verschiedenen parallelen Label bei Schlachtung und Vermarktung hinzu. 


Dass die Tierhalter gerne bereit sind, mehr Tierwohl in ihren Ställen zu schaffen, haben sie eindrucksvoll in der überzeichneten Initiative Tierwohl (ITW) bewiesen. Wenn die Landwirte den Mehraufwand sicher bezahlt bekommen, sind sie bereit, den Mehraufwand zu betreiben. Der Charme der ITW ist, dass sich die Betriebe auswählen können, welche Punkte sie umsetzen wollen. Dies hat mit den unterschiedlichen betrieblichen Gegebenheiten, aber auch mit persönlichen Vorlieben der Betriebsleiter zu tun. Gerade die kurzfristige Umsetzbarkeit auf den Betrieben war ein wichtiger Punkt für die Akzeptanz des Labels bei den Produzenten, aber auch wichtig, um genügend Mengen für einen wachsenden Markt bereitzustellen. 


Man kann bei dem neuen staatlichen Label nun auf die Auswahl der Kriterien der verschiedenen Stufen gespannt sein. Eine Herausforderung wird auch die Umsetzung des Labels in der Praxis sein. Soll nun eine neue Struktur für Audits und Zertifizierung geschaffen werden, oder wird auf die Ressourcen der privaten ITW zurückgegriffen? Hat der Handel überhaupt Interesse an noch einem Label? Werden ausländische Siegel anerkannt? Der Teufel steckt wie bei so vielem im Detail. 


Ich sehe es trotz all der Bedenken als große Chance, dass der Verbraucher die Möglichkeit hat, für aufwendiger produzierte Produkte auch mehr Geld zu bezahlen. Die momentan durch Verordnungen und die Preismisere stark gebeutelten Schweinehalter brauchen Möglichkeiten, die Mehrkosten für höhere Standards in Deutschland vergütet zu bekommen. Bei 12 Millionen Importferkel muss die Politik mit diesem Label ein wichtiges Signal für das Bewusstsein für die Herkunft aus Deutschland sendne.
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