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Mareike Scheffer über Glyphosat

Selten zuvor wurde in der breiten Öffentlichkeit so sehr über ein landwirtschaftliches Thema diskutiert wie über den Einsatz des Mittels Glyphosat. Nach langem Hin und Her von politischer Seite zeichnet sich nun ab, dass das Totalherbizid doch die unveränderte Zulassung über weitere 15 Jahre erhalten könnte. Wer im ländlichen Raum zu Hause und oft mit Landwirten im Gespräch ist, weiß: Bei den meisten Bauern wird diese Nachricht gut ankommen - vom Jubelschrei bis Siegerfaust.

Und das hat seinen Grund: Günstiger können Landwirte kaum produzieren. Hinzu kommt, dass die Bodenbearbeitung mit dem Einsatz des Totalherbizids schonender erfolgen kann. Der Boden ist das Kapital der Landwirte. Das Prinzip „Viel hilft viel“ – wie es oft in den Köpfen der Landwirte bei der Düngung besteht – zieht auch nicht. Denn die breite Mehrheit der Landwirte weiß um die Problematik von Resistenzen. Zudem müssen Bauern den Einsatz von Herbiziden dokumentieren. Die Sikkation, also das Ausbringen des Mittels zur Förderung der Kornreife – ist in Deutschland mittlerweile richtigerweise verboten.

Und so wird schnell klar: Die Diskussion um Glyphosat ist eigentlich ein Streit um die besseren Argumente zwischen Landwirten und Verbrauchern.

Das Hin und Her verunsichert die Verbraucher

Die Verbraucher werden dabei allerdings von einer diffusen Angst geleitet. Einer sachlichen Diskussion tut das bekanntlich nicht gut. Denn wenn es um handfeste, also belastbare, Argumente gegen den Einsatz von Glyphosat geht, wird die Diskussion oft schwierig und kann auch ins Unseriöse abgleiten. „Glyphosat Ja oder Nein?“ wird dann zur Glaubensfrage.

Zur Verunsicherung der Verbraucher trugen zahlreiche Studien bei: Während die Krebsforschungsagentur IARC das Mittel 2016 als „wahrscheinlich krebserregend“ einstufte, kamen das Bundesamt für Risikobewertung sowie jüngst die europäische Chemikalienagentur Echa zu einer anderen Einschätzung. In den Mengen, in denen Menschen mit Glyphosat in Berührung kommen, sei das Mittel als unbedenklich einzustufen. Wirkliches Vertrauen schafft man so bei den Verbrauchern allerdings auch nicht.

Die Dosis macht das Gift

Die maßgebliche Botschaft, die nach dem monatelangen Hin und Her bei den Menschen wohl hängen bleiben wird: Die Dosis macht das Gift. Somit könnte Glyphosat dann doch schwerwiegendere Folgen für Gesundheit und Umwelt haben als bisher gedacht. Und so gab es in der Vergangenheit etwa die Forderung, Politiker könnten sich doch auf das Vorsorgeprinzip berufen: Demnach lässt sich ein Stoff verbieten, solange nicht zweifelsfrei geklärt ist, ob er für die Gesundheit unbedenklich ist. Argumente der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirte und das Thema Kosten werden dabei völlig ausgeblendet.

Für die Verbraucher bleibt die Unsicherheit. Vor dem Hintergrund ist es verständlich, wenn sie keine Rückstände von Glyphosat in Brot, Fleisch, Bier und letztlich in ihrem Körper tolerieren wollen. Doch einmal weitergedacht: Hätte ein Verbot der Ausbringung von Glyphosat in Europa die Rückstände in Lebensmitteln hierzulande auch gänzlich verschwinden lassen? Die Frage lässt sich schnell beantworten. Schließlich fressen deutsche Mastschweine in der konventionellen Haltung meist importiertes, genverändertes Sojaschrot. Die produzierenden Länder Südamerikas sind für ihren hohen Einsatz von Glyphosat bekannt. Die Schäden für Menschen und Umwelt dort sind vielfach dokumentiert worden.

Kritische Verbraucher sind Korrektiv

Es ist gut und wichtig, wenn sich Verbraucher kritisch mit dem Thema Lebensmittelerzeugung auseinandersetzen. Sie dienen so auch als Korrektiv. Doch sollte sich jeder in der oft hitzig geführten Debatte einmal darauf zurückbesinnen, dass wir in Deutschland eine Wahl haben – auch wenn die Zulassung von Glyphosat dauerhaft verlängert wird. Wir können Bio-Produkte kaufen und so den eigenen Konsum von Glyphosat ausschließen. Wir müssen dann aber auch höhere Preise für die Erzeugung der Lebensmittel akzeptieren. Dass die ökologisch bewirtschaftete Fläche in den vergangenen Jahren stetig zunimmt, bestätigt letztlich auch den Willen der Verbrauer zu mehr ökologischer Landwirtschaft, die ohne Glyphosat auskommt. 

Und mancher Landwirt sollte sich hinsichtlich der kritischen Meinung der Verbraucher auch zweimal überlegen, gegen die Gesetze oder auch die gute fachliche Praxis zu verstoßen - und das bei jeglicher Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln.
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