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Stefanie Pionke zu Fastenzeit-Appellen

Kaum ist die Spaßbremse Sturmtief Ruzica durch die Lande gefegt, hat die Absage von Rosenmontagszügen provoziert und den Narren kräftig in die Suppe gespuckt, tritt pünktlich zur Fastenzeit eine Allianz aus SPD, Grünen und Umweltschützern nach. Die Deutschen sollen ihren Fleischkonsum halbieren, so ihr freudloser Appell. Und Landwirte sollen für die Exkremente ihrer Nutztiere eine Strafabgabe in Form eines „Gülle-Euros“ zahlen. Die an der Kampagne beteiligten NGO legen noch einen drauf: Kantinen in öffentlichen Einrichtungen und in Unternehmen sollten sich zur fleischarmen Küche verpflichten.

Man könnte glatt meinen, der Sommer 2013 ist wieder da. Sommer 2013? Richtig, da haben die Grünen mit ihrer „Veggie Day“-Kampagne einen Sturm der Entrüstung entfesselt. Ein fleischfreier Tag in den Kantinen landauf, landab! Schnell waren viele aufrechte Bürger zu Stelle, den Wert der Freiheit des Individuums, jeden Tag ein Schnitzel in die Pfanne zu hauen, hochzuhalten. Am Ende standen die Grünen als Spaßbremsen und Bevormunder der Nation da.

Dabei klingt ihr Veggie-Day geradezu niedlich im Vergleich zu dem aktuellen Fastenzeit-Appell. Denn der will der Fleischeslust gleich in mehrfacher Hinsicht an den Kragen: Nicht nur die fleischarme Kantine und eine Halbierung des Fleischkonsums sollen her, auch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Fleisch muss zumindest nach Meinung einiger der Kampagnen-Unterstützer kippen. Die Jugendorganisation der Grünen geht so weit, die Tierhaltungsvorgaben in der Öko-Landwirtschaft zum gesetzlichen Mindeststandard erklären zu wollen.

Da kann den Freunden von Schnitzel und Co. wirklich angst und bange werden. Erst der Veggie Day, dann die „wahrscheinlich krebserregende“ Bratwurst und jetzt auch noch dieser erneute Anlauf zur Erziehung des leidenschaftlichen Karnivoren. Wer gerne und viel Fleisch isst, wird – je nach Wahrnehmung - zum gesellschaftlichen Außenseiter oder romantischem Rebell, der an die gute alte Zeit erinnert, in der man noch Würste und Bauchfleisch grillen durfte, bis die Rauchschwaden die Sicht vernebelten.
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