Dr. Jürgen Struck zu Ernährungsthemen

 
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Im noch jungen Jahr 2014 sind die Nachrichten aus dem weiten Feld der Lebensmittelwirtschaft bisher rar gesät. Dies überrascht, da üblicherweise während des Verlaufs der Grünen Woche die Agrar- und Ernährungsindustrie eine besondere Zielscheibe darstellt. Aber eine Meldung hat es dann doch geschafft, deutschlandweit Aufsehen zu erregen: „Lidl schmeißt Coca-Cola aus dem Regal" - so oder ähnlich lautete die im Internet und in Zeitungen verbreitete Schlagzeile.
 
Die meisten der Verbraucher haben dies auch registriert und redeten darüber - aber viele fragen sich auch, was der Nachrichtenwert dieser Meldung ist. Normalerweise ist das Verhandlungsgebaren zwischen Lieferanten und Discountern außerhalb der Fachkreise kaum Gegenstand der medialen Berichterstattung. Mit der Grünen Woche und der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft hat dies jedenfalls nichts zu tun. Gibt es sonst nichts zu berichten?

Noch ist die Grüne Woche nicht zu Ende, aber bereits jetzt kann gesagt werden, dass sie in diesem Jahr vergleichsweise geräuschlos verlaufen ist. Fachleute und Politiker konnten sich treffen, Positionen vertreten oder miteinander reden, Besuchern bot die Messe wieder ein breites Angebot der von ihnen geschätzten Spezialitäten - und das war es dann auch. Trotz einiger Bemühungen engagierter Kreise, über mehr oder weniger „skandalöse" Zustände in der Tierhaltung und der üblichen Demo unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt" Aufsehen zu erregen, blieb das mediale Echo gering. Die Themen verfangen nicht mehr, zumindest nicht in diesem Jahr.

Vielleicht ist dies bereits ein Hinweis auf eine veränderte Großwetterlage in der Verbraucherschaft, eventuell auch der Medien. Vielleicht gibt es eine große und dabei stille Protestbewegung mit der Botschaft „Wir haben das Gemoser ganz sicher satt". In diesem Fall müsste sich der eine oder andere Verein mit Protestauftrag allmählich eine neue Strategie erarbeiten, um noch Aufmerksamkeit zu erhalten.

Doch dies einzuschätzen bleibt schwierig. Unter einer Großwetterlage verstehen die Meteorologen einen „bestimmten atmosphärischen Zustand, der in seiner charakteristischen Strömungsordnung mehrere Tage im Wesentlichen gleich bleibt".  Doch Großwetterlagen können sich auch rasch ändern. Bleibt zu hoffen, dass die möglicherweise veränderte mediale und politische Großwetterlage im Hinblick auf Ernährungsthemen einige Zeit erhalten bleibt und sich vielleicht sogar grundsätzlich neu ausgerichtet hat. Mit Nachrichten wie „Lidl stellt Cola in die Regale" könnten jedenfalls alle gut leben.  
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