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Horst Hermannsen zur Initiative Tierwohl

Das soll also der große Wurf sein. Dabei ist doch die Branchen-Initiative Tierwohl in dieser Form nicht vielmehr als ein leicht durchschaubarer Versuch von Verbrauchertäuschung, der zu allem Übel auch noch die Landwirte belastet. Sowohl beim Schwein als auch beim Geflügel setzten die Gesellschafter auf eine Art Massenbilanzierung. Einzelhandelsketten werden künftig ihr Angebot an Schweine- und Geflügelfleisch so bewerben, als würde es insgesamt aus dem Tierwohl-Programm stammen, auch wenn dies nur für eine Teilmenge zutrifft. Die aber wird nicht gekennzeichnet.

Den Konsumenten fehlt somit jegliche Transparenz. So etwas ist auch gar nicht erwünscht. Denn, so die Initiatoren: „Wir wollen kein Zwei-Klassen-Fleisch.“ Das mag ja sein, aber wenn der Verbraucher nicht wissen darf, was er eigentlich kauft, dann wird das Bekenntnis der Schlacht- und Handelsbranche, man wolle ein bewusstes Einkaufsverhalten im Lande fördern, konterkariert. Die Beliebigkeit wird auf die Spitze getrieben, wenn Produkte aus Tierwohlbeständen in den Fleischabteilungen und Kühltheken der Handelsketten mit viel Glück nur zufällig gefunden werden und unerkannt bleiben. Bei so einem System darf es keineswegs verwundern, dass der Verbraucher nicht einmal erfahren kann, was denn nun der Bauer tatsächlich anders, also besser macht, damit es dem Tier in seinem kurzen Leben gut geht.

„Ist dies schon Tollheit, so hat es doch Methode,“ möchte man mit William Shakespeare ausrufen und läge damit sogar richtig. Bei der Initiative Tierwohl geht es weniger darum, irgendwelchen diffusen Wünschen und Vorstellungen von Tierschützern, Veganern, Vegetariern und den immer weniger werdenden Fleischessern gerecht zu werden. Triebfeder sei vielmehr die Angst, der Gesetzgeber könnte die Haltungsbedingungen für Nutztiere „humanisieren“, heißt es hinter vorgehaltener Hand bei den Gesellschaftern. Wenn aber tatsächlich etwas im Argen läge, dann wäre eine gesetzlich genau vorgeschriebene Haltungskennzeichnung das einzige Instrument, damit Verbraucher wirksamen Tierschutz an der Ladentheke praktizieren könnte. Nach Ansicht von DLG-Präsident Carl Albrecht Bartmer war jedenfalls die Tierhaltung noch nie so artgerecht wie in unseren Tagen. Wenn dem so ist, dann bedarf es keiner Argumentationskosmetik à la Tierwohl. Erst kürzlich unterstrich Bartmer zudem, dass moderne Tierhaltung kein Thema für nationale Formate ist. Ausdrücklich schloss er dabei die Initiative Tierwohl mit ein.

Ach so, fast hätte ich es vergessen, das liebe Geld. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) weiß es schon heute ganz genau: Die Verbraucher müssen beim Fleischkauf künftig tiefer in die Taschen greifen. Dabei bleibt Joachim Rukwied nicht im Ungefähren. Putenbrust, Schweineschnitzel und ähnliches werden nach seiner Kenntnis ab August genau um 4 Cent pro Kilo teurer! Diese punktgenaue Prognose kommt deshalb zustande, weil der Handel einen Tierwohlbetrag von 4 Cent pro Kilo seiner gesamten Verkaufsmenge in den Tierwohlfonds einzahlt. Damit werden dann die am Programm teilnehmenden Landwirte bezahlt. Dass man mit so einem Programm weder marktwirtschaftliche Elemente, wie etwa den Wettbewerb, aushebeln noch den Unterschleif auf den landwirtschaftlichen Betrieben unterbinden kann, ist ein ganz anderes Thema.
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