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Bauer Willi zu Agrarmärkten

Wie sieht es aus auf den Agrarmärkten? Hatte ich im Frühjahr dieses Jahres noch über die niedrigen Kartoffelpreise für freie Ware geschimpft, so sehen die in diesem Herbst gar nicht schlecht aus. Die Bauern haben den Anbau zurückgefahren, die Erträge sind gegenüber dem Vorjahr niedriger, aber im guten Durchschnitt der vergangenen Jahre. Zumindest bei uns im Rheinland. Und das niedrigere Angebot lässt die Preise steigen. Redet keiner groß drüber, sondern freut sich still, dass dieses Jahr etwas übrig bleibt beim Kartoffelanbau. Bei Weizen lag ich mit einer Vermarktungsstrategie daneben. Schweinebauern können vom Schweinezyklus von jeher ein Lied singen. Nur der Milchmarkt und seine Beteiligten geben Rätsel auf.

Bei Weizen habe ich mit Zitronen gehandelt. Zwar habe ich 2014 einen Teil der kommenden Weizenernte in Vorkontrakten abgesichert, aber als vor der Ernte 2015 Kontrakte für 170 €/t angeboten wurden, war ich damit nicht zufrieden. Denn alle Experten sagten aufgrund der langen Trockenheit deutliche Ertragseinbußen voraus und ich selbst glaubte auch daran. Die Einbußen blieben aus und es wurde eine recht passable Ernte. Jetzt müsste ich mit 145 €/t zufrieden sein, aber ich warte noch, denn der Preis soll sich im Frühjahr wieder erholen. Sagen wieder die Experten. Ob sie recht behalten, muss sich noch zeigen – so oder so bleibt es meine Entscheidung, wie ich vermarkte. Ich könnte aber jetzt einen Vorkontrakt für das kommende Jahr 2016 abschließen, für 160 €/t. Werde ich wohl mit einer kleinen Menge machen, sicher ist sicher, man will ja nicht zocken.

Bei Raps ist es ähnlich. Die Preise gehen rauf und runter, je nachdem, wie die Prognosen auf dem Weltmarkt für Soja und Palmöl neue Zahlen oder Erkenntnisse bringen. Wer Gemüse anbaut, Erdbeeren, Spargel vermarktet, kennt das alles. Bei den Schweinebauern ist der Schweinezyklus ein geflügeltes Wort, und das seit Jahrzehnten.

Womit wir bei der Milch angekommen wären. Und hier habe ich ein Verständnisproblem. Dass und wann die Quote beendet würde, war lange bekannt. Viele Betriebe haben das Quotenende so verstanden, dass ab diesem Termin jeder so viel produzieren kann wie er will. Was ja auch faktisch stimmt, weil die Quote weg ist. Eine Reihe von Betrieben hat dies als Signal verstanden, im Vorfeld des Quotenendes die Bestände - zum Teil deutlich - aufzustocken oder gar in einen neuen Stall zu investieren, der dann aber doppelt oder drei Mal so groß ausfällt wie bisher. Mit der entsprechenden Anzahl von Melkrobotern dazu, weil die anstrengende Handarbeit abnehmen. Entsprechend zu expandieren, war die freie Entscheidung der Landwirte. Kein Politiker, kein Verband hat sie dazu überredet. Lediglich die Bank musste überzeugt werden, entsprechende Kredite zu geben.

Das Ende der Quote setzte aber nicht das normale Marktgeschehen von Angebot und Nachfrage außer Kraft. Und wenn Russland ein Importverbot verhängt oder der Verbrauch in Asien sich nicht wie erwartet entwickelt, so gehört dies auch zum Marktgeschehen dazu. Die Rekord-Kartoffelernte 2014 mit gewaltigen Übermengen hat ja auch dazu geführt, dass die vertragsfreie Ware verramscht, verfüttert oder in die Biogasanlage gefahren wurde. Wenn das Angebot höher als die Nachfrage ist, sinken die Preise – so funktioniert der simple Marktmechanismus. Das Überangebot an Milch ist auch ja nicht aus dem Nichts entstanden, sondern aus der Erwartung, dass die Mengen schon irgendwie absetzbar seien. Den Einkäufern des Handels vorzuwerfen, dass sie die Situation ausnutzen, ist da schwer verständlich. Kaufen wir Bauern nicht auch Diesel oder Dünger dann ein, wenn das Angebot groß und der Preis niedrig ist?

Natürlich steht es jedem zu, für höhere Preise und eine gerechte Entlohnung auf die Straße zu gehen, selbstverständlich auch den Milchbauern. Und erste Teilerfolge sind ja schon erzielt worden, siehe Preisanhebungen für Frischmilch und Butter bei einigen Discountern. Doch das sind freiwillige Mehrleistungen, und das ist mehr als ungewöhnlich. Ich bezahle meinem Handwerker ja auch nicht immer dann einen höheren Stundenlohn, wenn seine Auftragslage gerade schlecht ist. Preise steigen gewöhnlich dann, wenn die Angebotsmenge sinkt – auch das ist ein simpler Marktmechanismus.

Wenn ich dann aber lese, dass die EU-Kommission für das Jahr 2015 von einer Produktionsausdehnung von 0,9 Prozent und für 2016 sogar von 1 Prozent ausgeht, habe ich das nächste Verständnisproblem. Haben die Milcherzeuger denn gar keine Schlüsse aus der aktuellen Marktlage gezogen oder diese einfach bei ihrer Betriebsplanung ausgeblendet? Diese Mehrmenge in eine Erhöhung der Produktion von Vollmilchpulver zu stecken, löst das Problem auch nicht wirklich.
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