--

Horst Hermannsen zu Ilse Aigners Wechsel nach Bayern

Soll Ilse Aigner eine bayerische Tradition begründen? Vom Bundeslandwirtschaftsministerium auf den Sessel des Bayerischen Ministerpräsidenten. Horst Seehofer hat es vorgemacht und seine Partei erpresst.
Kaum jemand versteht es so geschickt, sein Fähnchen nach dem Wind zu drehen und seinen Populismus als politische Überzeugung zu verkaufen wie Seehofer. Doch inzwischen sitzt ihm die nächste Landtagswahl im Nacken.

Da könnte sich seine Unzuverlässigkeit als Nachteil herausstellen. Er möchte jedoch politisch überleben. Ein absolutistisches System, eingeführt von dem Monolithen Franz-Josef Strauß – der weit über seinen blassen Epigonen stand -, existiert nicht mehr. Es hat sich selbst durch Arroganz und Volksferne abgeschafft. Die Rückkehr zur demokratischen Normalität bei der Landtagswahl 2008 hat die CSU ins Mark getroffen.

Der Verlust der absoluten Mehrheit ist für Seehofer noch immer ein Trauma. Er fürchtet, dass er einst in die Geschichte als der Abwickler des Niedergangs eingeht. Das soll verhindert werden. Auch deshalb wird die Wirtschaft mit ihren Verbänden, deren Vorsitzende im Freistaat überwiegend schwarze Parteibücher haben, in einer beispiellosen Art politisch instrumentalisiert.

Nun wurde die Allzweckwaffe Ilse Aigner in Stellung gebracht. Der Abschied von dem ungeliebten Ort Berlin, wo sie ihr Amt in jüngster Zeit auffällig vernachlässigte, fällt ihr nicht schwer. Aigner ist mächtig, weil sie die CSU-Bezirksvorsitzende von Oberbayern ist.

Sie hat nun zwei Aufgaben. Zum einen soll sie den ehrgeizigen aber in Partei und Bevölkerung ungeliebten Markus Söder in die Schranken verweisen. Zum anderen muss sie bei der Landtagswahl 2013 alle für die CSU verfügbaren Stimmen mobilisieren. Das klingt wie eine aus der Not geborene Strategie. Sollte sie aufgehen, ist Seehofers Stuhl gefährdet. Sollte sie nicht funktionieren, würde die CSU ihr Gesicht verlieren und sich in der Opposition zerfleischen.

Ilse Aigner wirkt bürgernah und freundlich. Das ist gut. Was ihr fehlt ist Charisma, und das ist schlecht. Den Konservativen im Freistaat ist die politische Heimat verlustig gegangen. Sie haben große Erwartungen. Aber an wen?
stats