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Brigitte Stein zur Hoffnung auf Leguminosen

Die Politik hat die Leguminosen als neue Lieblingskultur entdeckt. Oder eigentlich: wiederentdeckt. Denn erfahrene Berater erinnern sich an wiederkehrende Leguminosenschübe aus den vergangenen Jahrzehnten. Jedes Mal haben Ackerbohne und Erbse nach eifrigen Bemühungen in der Praxis letztlich doch enttäuscht.

Enttäuscht waren aber auch die Züchter. Sie hatten oft Hoffnung geschöpft, dass ihre Arbeit endlich geschätzt würde, dass eine größere Anbaufläche Investitionen in größere Zuchtprogramme rechfertigen könnte. Unterm Strich gab es in Deutschland immer weniger Züchterhäuser, die an neuen Sorten der Eiweißpflanzen gearbeitet haben. Landwirten, die den Leguminosenanbau durchgehend weiter betrieben haben, wurde durchaus mulmig beim Gedanken an die Sortenwahl, weil kaum Verbesserungen zu erwarten waren.

Doch jetzt soll es wieder ganz weit aufwärts gehen. Eine Verdreifachung des Leguminosenanbaus ruft der Bauernverband im Kielwasser der Greening-Auflagen als Etappenziel aus. Prima! Hat schon mal jemand das Saatgut gezählt? Dass die Saatgutvermehrung Zeit braucht, sollte zumindest in der Landwirtschaft ein wenig bekannt sein. Schlimm genug, dass sich die Politik kaum um die praktischen Folgen ihrer zögerlichen Greening-Regelung schert.

Mit einem Gang in den Supermarkt und einem Griff ins Regal, wie sich das Abgeordnete offenbar vorstellen, ist es nicht getan. Saatgut ist kein Industrieprodukt, dessen Vervielfältigung am Grünen Tisch beliebig entschieden werden könnte. 

Vermutlich wird es für das angepeilte sprunghafte Wachstum des Leguminosenanbaus nicht einmal genügen, jedes Körnchen aus den deutschen Vermehrungen auszusäen. Aber das ist ja kein Problem: Das Saatgut kann man ja auch im Ausland kaufen – oder auch einfach nachbauen. Das geschieht ja ohnehin bereits auf rund der Hälfte der diesjährigen Flächen. Auf diese Weise kommen die Pflanzenzüchter wohl wieder nicht zu den notwendigen Einnahmen, um verstärkt in Zuchtprogramme zu investieren – und die Landwirte nicht zu angepassten modernen Sorten.

Aber vielleicht hilft ja das Fähnchen der Idealisten, mit dem der Bauernverband winkt. Die Züchter sollen sich zum Leguminosenanbau „bekennen“. Also Sorten erhalten und in Entwicklung investieren, selbst wenn die Refinanzierung nicht passt? Verbesserte Sorten zum Nulltarif – wie die Brille beim Optiker? Eine weltfremde Idee. Erinnert sei daran, dass selbst Behörden wie das Bundessortenamt aufgefordert sind, Kosten deckend zu arbeiten.

Hier noch ein weltfremder Vorschlag, der sich auch an die Damen und Herren im Bundestag und Bundesrat richtet: Jeder, der ernsthaft mehr Leguminosenanbau in Deutschland will, sollte sich dazu „bekennen“. Als Zeichen gilt eine großzügige Spende an den Lieblings-Leguminosenzüchter der eigenen Wahl.
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