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Daphne Huber-Wagner zum internationalen Handel

Belgier und Niederländer sind von ihrer Geschichte und geografischen Lage zur offenen See schon immer weltgewandte und aufgeschlossene Menschen. Davon konnten sich in dieser Woche die Teilnehmer während der Agrarreise der agrarzeitung (az) in die Beneluxländer überzeugen. Ackerbau und Viehzucht prägen das Landschaftsbild. Ein nachhaltiger Umgang mit der Natur versteht sich für die Landwirte von selbst, schließlich wurde die landwirtschaftliche Fläche dem Meer mühsam abgerungen. In den großen Hafenstädten wie Gent, Amsterdam, Antwerpen und Rotterdam tummeln sich alle internationalen Agrarhandelsunternehmen. Auch einige Produzenten von Düngemitteln sind in den Beneluxländern vertreten.

Die Reisegruppe der az hatte in dieser Woche unter anderem Gelegenheit, sowohl die Düngemittelproduktion der Eurochem am Standort Antwerpen als auch das Handelsunternehmen Cefetra in Rotterdam kennenzulernen. Beide Firmen haben vor geraumer Zeit einen Eigentümerwechsel hinter sich. Seit drei Jahren läuft die frühere Düngerproduktion der BASF in Antwerpen unter der Regie des russischen Milliadärs Melinchenko, dem die Eurochem-Gruppe gehört. Vor eineinhalb Jahren verkaufte der Mischfutterhersteller For Farmers seine Handelstochter Cefetra an die Baywa AG.

Die Unsicherheit unter den Mitarbeitern war verständlicherweise vorhanden, welche Pläne die neuen Besitzer wohl verfolgen mögen. Doch unabhängig voneinander bekräftigen Vertreter beider Unternehmen während der exklusiven Betriebsbesichtigungen für die az-Reisegruppe ihre Zufriedenheit über die neue Leitung. Die Düngeranlagen in Antwerpen laufen auf Hochtouren, Rohstoffe wie Phosphat, Kali und Ammonaik treffen im Gegensatz zu früheren Jahren weitaus flotter ein. Eine hohe Kapazitätsauslastung spornt die Leute vor Ort an.

Der Druck, unter dem die Händler von Cefetra täglich ihre Geschäfte weltweit abwickeln, ist hoch, aber durchaus erwünscht. Weltweit beschaffen sie Agrarrohstoffe, um die Kundenwünsche zu erfüllen; sei es Getreide aus den USA, Kanada und Australien, Sojaschrot aus Argentinen oder Palmexpeller aus Malaysia. Immer muss die Ware aus den Ursprungsländern pünktlich und einwandfrei in der Qualität zum vereinbarten Zeitpunkt eintreffen. Verspätungen bringen das Distributionsnetz durcheinander. Verlässliche Lieferanten sind da genauso wichtig wie eine große Begeisterung der Mitarbeiter.

Beide Unternehmen sind gute Beispiele dafür, wie neue Eigentümer die Handelsaktiviäten positiv beeinflussen können. Der Wettbewerb um regionale Erfassungsgebiete, die in den Heimatmärkten für manche Schlagzeilen sorgen, tritt im internationalen Handel in den Hintergrund. Die Niederländer sind mit Herzblut Kaufleute, die auf ihre langjährigen persönlichen Kontakte vertrauen. Darauf kommt es ihnen an, und sie sind am Ende für einen erfolgreichen Abschluss verantwortlich. 

Politik gehört nicht zum Geschäft. Da sind die meist jungen Händler, die sich souverän in mehreren Sprachen auf dem internationalen Parkett bewegen, emotionslos. Wenn die Unternehmensleitung diese Stärken erkennen und durch Vertrauen in die neuen Mitarbeiter fördern, steht einem weiterem Wachstum nichts im Weg. (da) 
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