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Horst Hermannsen zum Sponsoring der Baywa AG

Bei der Baywa AG wirkt alles irgendwie einmaliger, größer, erfolgreicher als bei der Konkurrenz. Warum das so ist? Ganz einfach: An der Spitze des Konzerns steht ein PR-Profi, der wie kein anderer die Werbetrommel zu rühren versteht. So etwas ruft Neider auf den Plan. Sie streuen das Gerücht in die Welt, jegliche Aktivität des Unternehmens würde von einer Entourage des Vorstandes zunächst auf ihre Werbetauglichkeit und auf ihre Brauchbarkeit als Instrument eitler Selbstdarstellung geprüft. Dazu sollen so Ideen, wie zum Beispiel seinerzeit die kostspielige Förderung für die Ausrichtung der olympischen Winterspiele 2018 in Bayern gehören. Das vorwitzige Abenteuer hat zwar eine ordentliche Summe gekostet, aber nicht wirklich etwas gebracht. Man war jedoch in den Schlagzeilen.

Oder, jetzt ganz aktuell, ein Blickfang, beim Anflug auf den Münchner Flughafen. Nicht zu übersehen – das größte Basketballfeld der Welt! Auf einer Fläche von 36.000 Quadratmetern zeigt der FC Bayern Basketball zusammen mit seinem Hauptsponsor Baywa AG zum Start in die neue Bundesliga-Spielzeit, dass er in der kommenden Saison im wahrsten Sinne Großes vorhat: In 500 Arbeitsstunden erstellten Kunstgärtner auf einem Weizenfeld in drei Wochen einen überdimensionalen Basketball-Court mit dem Motto: „Zwei Bayern, ein Ziel: Das Feld anführen!“ Mit dieser „Feld-Art“-Aktion am Münchner Flughafen symbolisieren Baywa und FC Bayern Basketball, dass sie auch in der kommenden Saison ihren Weg in der Erfolgsspur fortsetzen wollen. So steht es in einer Pressemeldung. Nach den Konzernzahlen des vergangenen Jahres klingt diese Ankündigung der Baywa freilich ein wenig bedrohlich. Aber kleinkarierte Bedenkenträgerei muss man in dieser Stelle einfach unterdrücken.

Natürlich könnten zaghafte Kleingeister kritisieren, warum ausgerechnet die verschuldete Baywa, mit ihren zuletzt dürftigen Ergebnissen, den reichsten Sportverein des Kontinents FC-Bayern sponsert. Wie viele Millionen zahlt eigentlich die Baywa für das Hobby ihres Vorstandsvorsitzenden, der als Junge Basketball gespielt haben soll? „Dazu dürfen wir keine Auskunft geben, weil Verschwiegenheit vereinbart wurde“, so die offizielle Antwort. Solche Fragen klingen aber auch erbsenzählerisch. Sie werden offensichtlich dem Großen und Ganzen nicht gerecht.

Hauptprofiteur ihres millionenschweren Engagements sei natürlich die Baywa selbst, heißt es dazu aus der obersten Führungsebene. Und die muss es schließlich wissen. Wenn auf Trikots, Fähnchen, Flyern und jetzt sogar am Münchner Flughafen ihr Logo zu erkennen ist, dann, ja dann wird die „Grüne AG“ so richtig bekannt – und zwar auf dem gesamten Erdball. Dies ist für den Global Player von existenzieller Bedeutung. Immerhin hat sich die Baywa während der vergangenen Jahre internationalisiert. Nicht allein, dass man den niederländischen Getreidehändler Cefetra kaufte, der schweres Geld scheffeln soll. In der Baywa-Führung herrscht zudem die Meinung, man müsse auch aus anderen Gründen international auf sich aufmerksam machen. Schließlich ist auf der Südhalbkugel die Sache mit dem Apfel- und dem Spargelhandel am Laufen. Damit nicht genug.

Der Konzern befasst sich noch mit der Erzeugung und dem Export von Tafeltrauben aus Peru. Ein Lieblingsthema bleibt der Verkauf von Windrädern und Solaranlagen in alle Welt. Ihr geplanter Traktorenhandel im tiefsten Afrika wird von der Baywa prophylaktisch schon mal als Erfolgsstory gepriesen. Daneben wirkt selbst ein Engagement in Rumänien provinziell. Nicht zu vergessen sind auch die vielen Büros in den EU-Ländern. Ob mit all diesen Aktivitäten langfristig Geld zu verdienen ist? Nicht so wichtig! Hauptsache man wird als Global Player wahrgenommen, koste es was es wolle. Ein Agrarkonzern, der auf das in der Vergangenheit geschaffene Vermögen zurückgreifen kann, ist zu beneiden. Aber wie lange geht so etwas noch? Nicht jedes Jahr lassen sich Bilanzen mit der Hebung stiller Reserven aufhübschen. Und niedrige Zinsen sind nicht in Stein gemeißelt.
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