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Peter Seeger über die unangemessene Kritik Prof. Spillers

Anscheinend gehört es heute zum guten Ton, die Unfähigkeit des Staates und die Unfähigkeit unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens zu proklamieren. Zum einen spricht Herr Professor Achim Spiller von einer regelrechten Anarchie, was die Einhaltung der Tierhaltungsregeln in Deutschland betrifft. Aber anscheinend ist es zum anderen für einen deutschen Wissenschaftler nicht mehr notwendig, seine Aussagen mit Fakten zu begründen und diese aufzuführen. 

Das Ziel ist Medienaufmerksamkeit

Wie soll man ansonsten verstehen, dass Herr Professor Spiller die Meinung vertritt, dass nur noch durch Whistleblower die Einhaltung der nationalen Gesetze sicherzustellen ist. Das passt alles in die aktuelle Zeit, in der das höchste Ziel die Aufmerksamkeit in den Medien ist, es aber nicht mehr primär um die Lösung von wirklichen Problemen geht.

Man muss sich über die pauschale Kriminalisierung aller Landwirte wundern, denn er spricht in seinem Artikel nicht von Einzelfällen. Natürlich gibt es schwarze Schafe, die sich an keine Vorgaben halten, denen auch aus eigenem Interesse des Berufsstandes das Handwerk gelegt werden muss. Aber in der Regel halten die Betriebe die Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen und Checklisten ein, die sie zu beachten haben. Gravierende Tierschutzmängel kann man nicht innerhalb weniger Stunden ausbessern. 

Einen Prüfer im landwirtschaftlichen Bereich mit einem Wirtschaftsprüfer in der Industrie zu vergleichen, ist schon skurril. Eine Bilanzanalyse in einem international tätigen Unternehmen traue ich auch einem einfachen Bankkaufmann nicht zu. Zu wissen, wo man in einem landwirtschaftlichen Betrieb hinschauen muss, lernt man meines Erachtens am besten in der Lehre auf dem Betrieb. Nach drei Jahren Ausbildung auf einem Hof weiß man, wo die Probleme sein können. 

Zahl der Fernsehberichte sind kein Indikator für Wissenschaft

Es sollte sich dem Wissenschaftler die Frage stellen, ob sich die Haltungsbedingungen in den Ställen objektiv verbessert haben oder nicht. Die Anzahl der Fernsehberichte und Stalleinbrüche sind dafür kein geeigneter Indikator, auch wenn sie Missstände einzelner Betriebe aufzeigen. Kann es vielleicht sogar sein, dass die moderne Tierhaltung schon die meisten Anforderungen der Verbraucher erfüllt? Zumindest kaufen die allermeisten diese Produkte täglich. Eigentlich müssten Verbraucher doch erst nach dem Besuch in einem Stall zur Tierhaltung befragt werden. Leider würden diese Ergebnisse vermutlich nicht zur veröffentlichen Meinung in Deutschland passen. 

Alle Tiere, die geschlachtet werden, werden von einem Tierarzt am Schlachthof lebend beschaut, zudem sind die Daten der Tierverluste über die Tierkörperbeseitigung den Behörden bekannt. Somit hat das Veterinäramt durchaus die Möglichkeit, solche auffälligen Risikobetriebe speziell zu kontrollieren. Zudem sind Proben der Futtermittelüberwachung bei Landwirt und Futterproduzenten noch zusätzlich der Standard. Anarchische Zustände sehen für mich anders aus. 

Wortwahl lässt Faust in der Tasche ballen

Eigentlich ist es aber die Wortwahl, die den landwirtschaftlichen Leser die Faust in der Tasche ballen lässt. „Laissez-faire-Stil“ der Prüfer, „Whistleblowing“ fördern und den als „Metallgitterbox für Sauen“ beschriebenen Ferkelschutzkorb machen die Landwirte und Auditoren betroffen. Diese absichtlichen Spitzen sind für einen Berater der Bundesregierung im wissenschaftlichen Beirat unangemessen.
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