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Bauer-Willi zur Image-Kampagne für Milch

Red Bull kennt wohl jeder, aber White Bull? White Bull ist der zurzeit wohl angesagteste Party-Drink und erobert gerade in einer unglaublichen Geschwindigkeit Europas Kühltheken. Es handelt sich um nichts anderes als: Milch! Glauben Sie nicht? Gut so, denn es ist eine Ente, ein Fake, nur eine Wortschöpfung, ohne jeden wahren Hintergrund.

Aber warum eigentlich? Vergleicht man die Inhaltsstoffe von Red Bull und Milch, dürfte sehr schnell klar werden, dass ein Genuss von zu viel Milch weniger gesundheitsgefährdend ist als der Konsum von zu viel des Produktes des österreichischen Getränkeherstellers. Gleiches gilt auch für die schwarze, koffeinhaltige Brause eines amerikanischen Unternehmens, das aus zwei Worten besteht, die beide mit einem C beginnen.

Haben Sie schon einmal in einem Restaurant ein Glas Milch bestellt? Und dann die fragenden Augen des Kellners gesehen, ob sie noch ganz dicht sind? In der letzten Sitzung, Konferenz, Generalversammlung oder sonstigen Veranstaltungen, bei der sie dabei waren, was wurde da konsumiert? Mit Sicherheit nur Kaffee, Wasser und sonstige Getränke. Vielleicht noch Apfelsaft, aber das war´s dann schon. Milch? Mal abgesehen von dem Schuss im Kaffee – Fehlanzeige!

Bauern jammern ja gerne und viel. Im Moment haben Milchbauern auch allen Grund dazu. Unsere französischen Kollegen sperren zurzeit deshalb die Autobahnen oder treiben Schweine durch die Supermärkte. Darüber kann man denken wie man will, das Problem lösen wird man damit nicht.

Denn das liegt ganz woanders. Und zwar in Russland mit seinem Importstopp und in China, wo ausländische Firmen den Chinesen zeigen, wie man große Milchviehställe baut und die dazu passende Genetik, meist Holstein-Frisian, gleich mitliefern. Der weltgrößte Milchviehbetrieb steht übrigens in Saudi-Arabien. Rund 50.000 Tiere an einem Ort, das ist doch was. Da wird es wohl vorerst nichts mit unserer Export-Milch. Und später erst recht nicht, denn die Drittlandsmärkte haben längst erkannt, wo der Hammer hängt, und produzieren ihre Milch selbst und stocken ihre Bestände auf bis das Euter quietscht.

„Milch macht müde Männer munter“ oder auch „Die Milch macht´s“ sind zwar keine wirklich gelungenen Marketing-Gags, aber immerhin mehr als gar nichts. Warum kommt niemand auf die Idee, den heimischen Milch-Markt mit einer pfiffigen Idee, einem sympathischen Spruch oder gerne auch einem genialen Marketing-Konzept aufzurollen? Wo sind die Interessensvertreter, die Molkereien und meinetwegen auch die Milch-Verarbeiter, die etwas unternehmen, damit der Absatz steigt? Und zwar bei uns, ohne auf die Russen oder Chinesen zu warten und zu hoffen, dass es irgendwie schon besser wird. Da kann man doch auch gerne einen Milch-Pfennig (Verzeihung, Milch-Cent) fürs Marketing von den Bauern einhalten: bei dem aktuell unterirdischen Preisniveau kommt es doch darauf auch nicht mehr an. Vielleicht lässt sich damit eine Vertriebsoffensive finanzieren.

Wer weiß, möglicherweise wird die Milch unter dem Markennamen „White Bull“ der nächste „Club Mate“ -  oder findet auf anderem Wege Einzug in die In- und Hipster-Kneipen der Nation.
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