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Horst Hermannsen zur Prokon-Pleite

Ein Vermögen im Schlaf, ganz ohne Risiko verdienen – wer träumt nicht von wundersamer Geldvermehrung? Die so genannte Energiewende in Deutschland zog von Anfang an Politclowns, halbseidene Unternehmertypen, ideologisch verblendete Jünger und vor allem geldgierige Anleger mit mäßigem wirtschaftlichem Sachverstand an. Letztere passten in das Beuteschema von Carsten Rodbertus, dem Gründer des windigen Konzerns Prokon.

Gier frisst bekanntlich mit Vorliebe Hirn. Und so konnte der geschickte Marktschreier Rodbertus nach und nach von etwa 75.000 gutgläubigen Kapitalgebern fast 1.500.000.000 Euro einsammeln. Wie man das macht? Offensichtlich ganz einfach: Wichtig ist zunächst die Errichtung eines ideologischen Gespinstes, welches das Gute im Menschen anspricht. Bewährt haben sich dabei Schlagworte wie regenerative Energie, CO2-Reduzierung und Verantwortung für die Zukunft unsere Kinder. Garniert wird das Ganze dann mit totsicheren Renditeversprechen, jenseits der realen Verhältnisse.

Verbindliche Garantien, gar noch schriftlich abgefasst, wirken bei so einem Geschäftsmodell indes nur störend. Besser passen hier eine heillos schlampige Buchführung, fehlendes Controlling, unzureichende Kennzahlen, keine Budgetplanung. Großzügig versenkte Rodbertus Geld, das gutgläubige Anleger ihm anvertrauten in wenig rentable Projekte, wie etwa eine Ölmühle, einen Plattenhersteller oder gar Wälder im fernen Rumänien. Es ist der Eindruck zu gewinnen, als hätten sich die Anleger überhaupt nicht für die Firma interessiert, der sie ihr Geld anvertrauten.

Dabei sind doch Genussrechte vergleichbar mit Anleihen. Das heißt, der Anleger leiht dem Unternehmen Geld und bekommt dafür einen festen Zins – wenn es seriös zugeht. Offensichtlich haben zu viele Investoren die Prokon-Bilanz nie eines Blickes gewürdigt. Gewinn- und Verlustrechnung, Cashflow, Verschuldungsgrad oder welche Art von Verbindlichkeiten in den Büchern stand – alles viel zu anstrengend, zu kompliziert. Vorurteilsfreie Analysen und Absicherungen sind etwas für Pessimisten. Die Zinsen flossen doch. Warum soll man sich da mit Nebensächlichkeiten aufhalten?

Dass diese Zinsen keine Erträge waren, sondern mit dem Geld neuer Anleger finanziert wurden, oder von einem Prokon-Geschäftsbereich in den anderen wanderten, interessierte nur wenige. Das System Schneeball wurde schlicht ignoriert. Die Illusion, dass die politisch sanktionierte Erpressung der Stromkunden im Rahmen des EEG es schillernden Firmenvertretern erlaubt, den Anlegern 8 Prozent Rendite zu bescheren, war einfach zu schön. Mit dem zunächst einkömmlich fremdfinanzierten Ökotrip des Carsten Rodbertus ist es jetzt erst einmal vorbei. Es fehlen hunderte von Millionen. Jetzt heißt es Einlagen abschreiben. Eine beruhigende Nachricht gibt es für die geschädigten Anleger schließlich doch: Ihr Geld ist nicht weg, es haben nur andere.

Derweil drehen sich die Windrädchen munter weiter, verunstalten ganze Landstriche (siehe Hunsrück oder Nordbayern) und bescheren Kohlekraftwerken eine ungeahnte Renaissance. Müssen einem Menschen dauern, die hier Geld verlieren? Ich meine nein! Wem bei irre hohen Renditeversprechungen nicht die Alarmglocken läuten, der fährt zwangsläufig mit einem unkalkulierbaren Verlustrisiko. Wer sein Geld Scharlatanen anvertraut, muss mit allem rechnen.
 
Aber auch der Hasardeur mit Zopf Carsten Rodbertus muss sich jetzt auf einiges gefasst machen. Nun hat ihn die Staatsanwaltschaft am Wickel. Es geht um kriminelle Handlungen, Insolvenzverschleppung, Untreue, Betrug - das ganze Programm eben, das bei dieser Art von Unternehmern häufig abläuft. Er selbst freilich sieht sich als ein von Feinden umzingeltes Opfer. Da sind zuallererst hasserfüllte Energiekonzerne, die seine hehren Absichten torpedieren. Dazu kommen noch bösen Banken, die Sicherheiten bei der Finanzierung verlangen. Besonders hinterlistig ist der Insolvenzverwalter, der - wie Rodbertus erläutert - „ein im Kern gesundes Unternehmen" zerschlagen möchte. Und nun kommt auch noch die unberechenbare Justiz ins Spiel. Befeuert werde dies alles durch eine üble Medienkampagne.

Kein Begriff beschreibt die Verteidigung des Carsten Rodbertus besser als das schöne jiddische Wort „Chuzpe“.
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