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Steffen Bach zur Nachhaltigkeitsinitiative der BASF

Anfang September kritisierte der Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) Carl Albrecht Bartmer mit scharfen Worten die in der Europäischen Union eingeführten Greening Regelungen für die Landwirtschaft: Das Greening sei nur ein Placebo für die kritische Öffentlichkeit. Europas Landwirtschaft ringe um Gewichtungsfaktoren für ökologische Vorrangflächen.

Stattdessen müsse beantwortet werden, wo anstelle der fruchtbaren europäischen Agrarflächen produziert werden soll. Viele Landwirte teilen diese Ansicht und wünschen sich einen ganzheitlichen Ansatz für ein nachhaltiges Wirtschaften, der nicht nur die ökologischen sondern auch ökonomischen und sozialen Aspekte berücksichtigt.

Durch eine politisch verordnete Extensivierung Landwirtschaft wird Europa mit seinen Hochertragsstandorten seiner Verantwortung für die Welternährung nicht gerecht. Andererseits müssen sich die Landwirte auch den Forderungen der Gesellschaft stellen, in der und für die sie produzieren. Es ist verständlich, dass manche Entwicklung den Menschen Sorge bereitet.

So ist die Zahl der Feldvögel in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Feldlerche, Kiebitz, Rebhuhn oder Bekassine werden immer seltener gesichtet. In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Landwirtschaft für diese von Naturschützern als dramatisch eingeschätzte Entwicklung verantwortlich. Auch wenn die Ursachen vielschichtiger sind, muss sich die Landwirtschaft mit diesem Thema auseinandersetzen.

Bei der BASF hat man das erkannt. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen bundesweit 20 landwirtschaftliche Betriebe beim Greening intensiv beraten werden. Gemeinsam mit Naturschützern wird überlegt, welche Maßnahmen am sinnvollsten sind, um gefährdeten Arten zu helfen und so die Artenvielfalt zu sichern und zu erhöhen. Wissenschaftler begleiten die Arbeit, um den Erfolg zu prüfen.

Doch auch die ökonomischen und arbeitswirtschaftlichen Auswirkungen auf den Betrieb sollen bei dem Projekt unter die Lupe genommen werden. Letztendlich geht es darum, individuelle Strategien für die beteiligten Betriebe und gleichzeitig für alle Landwirte nutzbare Beratungshilfen zu entwickeln.

Ziel muss es dabei sein, mit einem möglichst geringen ökonomischen Aufwand einen möglichst hohen ökologischen Nutzen zu erzielen. Mit dem politisch verordneten Greening werden sich die Landwirte arrangieren müssen. Man benötigt nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, was passiert, wenn in einigen Jahren festgestellt wird, dass die erhofften Effekte in Sachen Biodiversität ausgeblieben sind. Die Politik wird weiter an der Extensivierungsschraube drehen.

Verhindern kann das nur die Landwirtschaft selbst, indem sie Lösungen findet, die ökonomisch vertretbar und ökologisch erfolgreich sind. Dann wäre das Greening kein Plazebo sondern ein wirksames Mittel für mehr Artenvielfalt und gleichzeitig für ein höheres Ansehen der Landwirtschaft in der Gesellschaft.
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