Katja Bongardt

Wo kommt das Fipronil her?

az

Katja Bongardt zum neuesten Eier-Skandal

--
Cees Nieuwkerk schaffte es in den Niederlanden zur Tagesberühmtheit. Im Rahmen seiner Eier-Diät verspeiste er rund 30 Fipronil-Eier - und lebt noch. Das sensationshungrige Algemeen Dagblad macht vor, wie sich Sommerlöcher füllen lassen. 
Festzuhalten ist zum jetzigen Zeitpunkt: Das BfR sieht keine Gesundheitsgefahr. Für keine Verbrauchergruppe, einschließlich Kindern, ergebe sich eine Überschreitung der akuten Referenzdosis (ARfD), heißt es auf der Homepage. Und das hat Dr. Monika Lahrssen-Wiederholt, Leiterin der Abteilung Sicherheit in der Nahrungskette am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz noch einmal wiederholt.

Das Problem liegt ja auch woanders. Die Frage ist, wo kommt das Fipronil her? Im Fokus der Ermittlungen steht der niederländische Stallreiniger ChickFriend. Vielleicht hat das Unternehmen selbst den bei Milben effektiv wirkenden Stoff in sein Reinigungsmittel Dega16 gemischt. Vielleicht hat es aber auch von einem Zulieferer die kritischen Zutaten bezogen.
Geflügelbetriebe greifen häufig bei der Reinigung und Desinfektion ihrer Ställe auf Dienstleister wie beispielsweise ChickFriend zurück. Das ist Arbeitsteilung. Das wird natürlich erst ab einer gewissen Größenordnung interessant. Jetzt aber in der Schlussfolgerung auf die Massentierhaltung zu schimpfen, wie es manche Publikumszeitungen tun, ist nicht fair. Denn vor Betrug ist weder ein kleiner, noch ein großer, noch ein Bio-Betrieb gefeit.
Der Ermittlungen werden zeigen, in welcher Größenordnung und - vor allem - über welchen Zeitraum Fipronil illegal im Hühnerstall zum Einsatz gekommen ist. Für Legehennenhalter zeigt der Skandal, dass sie bei der Wahl des Dienstleisters in Zukunft um so genauer hinschauen müssen. Denn am Ende sind die Erzeuger die Leidtragenden, wenn Verbraucher bestimmte Lebensmittel ablehnen.
Cees Nieuwkerk sind die Ursachen-Spekulationen vermutlich gar nicht so wichtig. Er will saubere Eier. Und das ist sein gutes Recht. Allerdings könnte er vielleicht doch einmal über seine Diät-Strategie nachdenken - auch ohne Fipronilskandal.
stats