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Horst Hermannsen zu den Notierungen der ISN

Die Interessensgemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland (ISN) ist gut beraten, sich fürderhin mit den Mechanismen des Marktes vertraut zu machen. Allerdings dürfte es ihr danach schwerer fallen, die vertrauten Feindbilder zu bemühen. Darunter leidet zwar der Unterhaltungswert ihrer Marktbeurteilung, andererseits erhielten ihre Aussagen einen seriöseren Anstrich. Will das die ISN überhaupt?

Erzeugergemeinschaften konstruieren einmal in der Woche den so genannten Vereinigungspreis. Was da so ein wenig zweideutig klingt, ist nichts anderes als eine Wunschvorstellung, die sich auf ein Marktgeschehen bezieht, welches noch nicht bekannt sein kann – nämlich das der folgenden Woche.

Dessen sind sich die Kaffeesatzleser durchaus bewusst und bezeichnen ihre Preisvorstellungen folgerichtig als Empfehlungen. Häufig, aber nicht immer, stimmen die Voraussagen tatsächlich mit den realen Verhältnissen des Kassamarktes überein. Wenn aber der Markt, wie jüngst geschehen, nicht den Prognosen der Erzeugergemeinschaften folgt und nur niedrigere Auszahlungspreise zulässt, dann, ja dann, findet die ISN in ihrem geschlossenen Weltbild flugs die Schuldigen: Wieder einmal seien die Schlachtereien auf Konfrontationskurs gegenüber den Landwirten gegangen, so der lapidare Vorwurf.

Für diese Berichtswoche wünschten sich die Erzeugergemeinschaften eine Anhebung ihres „Vereinigungspreises“ um vier Cent auf 1,72 €/kg Schlachtgewicht. Für diesen Aufschlag fehlten indes alle Voraussetzungen. Bis heute folgen die Fußball-Fans der Aufforderung der ISN, während der Europameisterschaft doch gefälligst ordentlich Schweinefleisch zu essen, eher zögerlich.

Die Witterung verhinderte den Run auf Grillartikel, so dass die seit Januar eingefrorenen gewaltigen Bestände an Nacken und andere Leckereien einfach nicht weniger werden wollen. Zu allem Überfluss hat die Nachfrage aus Fernost einschließlich China nachgelassen. Ein Glück, dass der Euro schwächelt, sonst wäre das Exportgeschäft noch trauriger. Zugleich steigt mit wachsendem Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch die Abhängigkeit vom internationalen Markt.

Das alles, und noch einiges mehr, ignoriert die ISN. Das sollte sie nicht. Bei der Auktion der Internet-Schweinebörse am vergangenen Mittwoch wurde nämlich das Borstenvieh im Schnitt für 1,68 €/kg verkauft, das war genau der Preis, den etliche Schlachtereien zuvor als angemessen bezeichneten. Übrigens: der Trend ist weiter schwach.

Schweineschlachtung ist derzeit kein gutes Geschäft. Der Wettbewerb führt bei manchem Schlachter zu tiefroten Zahlen. Wer auf Dauer höhere Erzeugerpreise zahlt als er im Fleischgeschäft erlöst, verhält sich unverantwortlich. Ob man sich bei der ISN noch an das Debakel der großen genossenschaftlichen Vieh- und Fleischunternehmen in Deutschland erinnert?

Ein Tipp unter Freunden: Bei der nächsten Pleite sollte die ISN sofort zuschlagen und die Firma übernehmen. Dann könnte die Interessengemeinschaft den Dilettanten der Branche zeigen, wie man richtig Vieh- und Fleisch handelt.
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