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Stefanie Pionke zu Agrarstatistiken

Die Hitzewelle im Mittleren Westen der USA sorgt für Preiskapriolen bei Getreide und Ölsaaten. Während die Dollar-Zeichen in den Augen manch eines Vermarkters immer größer werden dürften, korrigieren die internationalen Statistiker schon fleißig ihre Zahlenwerke.

Immerhin 25 Millionen Tonnen Mais hat die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO an diesem Donnerstag aus ihrer Schätzung für die US-Ernte gestrichen. Das US-Agrarministerium USDA – so zumindest die heutige Einschätzung am Markt – wird bei der Präsentation seines Zahlenwerks in der kommenden Woche nachziehen. Fast skurril mutet es da an, dass der Internationale Getreiderat IGC in London in dieser Woche seine Prognose für die weltweite Maisernte im neuen Wirtschaftsjahr 2012/13 sogar leicht nach oben gesetzt hat.

Wer in letzter Konsequenz Recht behalten wird, wird sich noch zeigen. Die Spitzenerträge, auf denen das USDA seine bisherigen Prognosen für eine Maisproduktion von 375 Millionen Tonnen in den Vereinigten Staaten aufgebaut hat, gelten inzwischen jedenfalls als nicht mehr erreichbar.

Mit seinen beiden ersten Schätzungen im Mai und Juni hatte das USDA die globale Futtergetreidebilanz auf dem Papier aufgehübscht. Die Preisfantasien nach oben galten zumindest zeitweise als begrenzt.

Die Stimmung ist aktuell ins Gegenteil umgeschlagen, das lässt sich fast täglich an den Kursen an der Euronext in Paris und der CBoT in Chicago ablesen - von Tagesschwankungen einmal abgesehen. Daran hat nicht nur das Wetter im Mittleren Westen der USA Schuld, sondern auch die Hitze, die in Teilen Russlands den Getreidebeständen zusetzt und auch die globale Weizenversorgung auf dem Papier zusehends zusammenschrumpfen lässt.

Agrarstatistiken, das liegt in der Natur der Sache, können keine 100-prozentig zuverlässigen Aussagen über die Versorgung mit Getreide treffen - am wenigsten Monate vor Erntebeginn, wenn das Wetter noch zahlreiche Korrekturen in die eine oder andere Richtung fordern kann.

Dessen ungeachtet darf man schon gespannt sein, welche Theorien kommmende Woche am Getreidemarkt bemüht werden, wenn das USDA in seinem neuen Zahlenwerk nicht die erwarteten Änderungen vornimmt. Nicht selten haben Marktteilnehmer in der Vergangenheit Mutmaßungen geäußert, die US-Statistiker machten mit ihren Zahlen „Politik“, um Preishochs abzuwürgen oder Preisstürze abzufangen.

Wer genau im Washingtoner Ministerium davon auf welche Weise profitieren soll, darauf können allerdings die allerwenigsten Verschwörungstheoretiker eine überzeugende Antwort geben.
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