--

Horst Hermannsen zum Stühlerücken bei Agco

Ausgerechnet er, der seit seinem Eintritt 2005 die gesamte Strategie der Motoren-, Schlepper- und Erntetechnik zukunftsorientiert ausgerichtet und so das Unternehmen zum Erfolg geführt hat, soll von jetzt auf gleich seinen attraktiven Spitzenposten freiwillig hingeworfen haben? Das kann nicht sein! Die dürren Worte aus Duluth im US-Bundesstaat Georgia, wo Agco, drittgrößter Landmaschinenhersteller der Welt, seinen Hauptsitz hat, regen zu wilden Spekulationen und Gerüchten an.

Mit dem lapidaren Satz: „Wir danken Herrn Mühlhäuser für seine wertvollen Beiträge in den vergangenen sieben Jahren" ließ sich Agco-Chef Martin Richenhagen zitieren. Zweifellos meint er das auch so, und doch wirkt es zynisch. Schließlich hat er allein in eigener Machtvollkommenheit vergangene Woche seinen Stellvertreter und möglichen Nachfolger vor die Tür gesetzt.

Letzte Gewissheit über sein berufliches Schicksal soll Mühlhäuser per Autotelefon vom Agco-Chef persönlich, auf dem Rückweg von den Fendt-Feldtagen in Wadenbrunn vor gut einer Woche, erhalten haben. Über Stil lässt sich bekanntlich nicht streiten. Erklärlich wird dieser Vorgang indes, wenn man sich erinnert, dass es Richenhagen vor zehn Jahren ganz ähnlich erging, als er plötzlich seinen Führungsposten beim Landmaschinenhersteller Claas in Harsewinkel verlor.

Der globale Stratege Mühlhäuser schien mit seinen 42 Jahren ein aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Richenhagens zu sein. Der feierte in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Die ehemaligen „Männerfreunde" gebärden sich recht ähnlich. Beide sind hochemotional und damit von ihrer Umgebung schwer berechenbar. Sie sind Taktiker und gelegentlich auch Ränkespieler. Beide verstehen ihr Geschäft hervorragend. In der Kunst der Selbstinszenierung ist Richenhagen seinem früheren Vize freilich meilenweit voraus, was seiner Erfahrung und dem Alter geschuldet ist.

Dass er den zwar aufmüpfigen, aber brillanten Mühlhäuser fristlos freigesetzt hat, kann nur die Folge eines persönlichen Zerwürfnisses sein. In der Tat soll es in der Vergangenheit häufig zu heftigen Auseinandersetzungen, etwa bei Meetings, zwischen den beiden „Alphatieren" gekommen sein. Jetzt war offenbar der Höhepunkt erreicht. Mühlhäusers Aufgaben wird Richenhagen zunächst selbst übernehmen.

Nun ist entscheidend, wie der Aufhebungsvertrag aussieht. Für den vielsprachigen Manager mit exzellenten Verbindungen in der Branche - aber auch darüber hinaus - dürfte es nicht schwer sein, wieder Fuß zu fassen. Übrigens bestehen zwischen ihm und der Unternehmerfamilie Claas zwar schwierige, aber enge verwandtschaftliche Beziehungen. Für Agco ist zu hoffen, dass er nicht so rasch zur Konkurrenz wechseln kann. Landmaschinen haben weltweit einen enormen Wachstumsmarkt, in dem der Wettbewerb weiter an Fahrt gewinnt. Da sind Spitzenkräfte gefragt.
stats