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Dr. Jürgen Struck zu steigenden Lebensmittelpreisen

„Wenn sich die Leute kein Brot leisten können, dann sollen sie doch Kuchen essen". Dieses Zitat wird der französischen Königin Marie Antoinette (1755 bis 1793) zugeschrieben. Einen eindeutigen Quellenbeleg dafür gibt es nicht.  Jedoch soll das am Vorabend der Französischen Revolution in Umlauf gebrachte Zitat dazu beigetragen haben, die Wut im Volk über hohe Lebensmittelpreise zu einer revolutionären Stimmung zu entwickeln. Die offensichtliche Abgehobenheit  des Adels und dessen Distanz zu den realen Problemen der Bevölkerung trugen ihren Teil zu dazu bei. Nach der Französischen Revolution 1789 endete Marie Antoinette's Leben im Oktober 1793 durch die „Sichel der Gleichheit" (Robespierre).  

Preise für Lebensmittel finden immer große Beachtung. Je nach Betrachtung sind sie zu gering oder zu hoch. Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer sagte kürzlich einer Zeitung: „Fleisch ist zu billig". In dieser Woche berichteten die Medien nun wieder über „dramatisch gestiegene Preise für Lebensmittel". Als Beispiele jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat werden genannt: Kartoffeln plus 44 Prozent, Butter 31 Prozent, Paprika knapp 50 Prozent, Frischmilch 17 Prozent, Olivenöl knapp 18 Prozent, Fleisch bisher nur moderate 4 Prozent usw. Die Gründe für die Entwicklung sind vielschichtig.

Nun ist es sicher so, dass große Teile der Bevölkerung diese Steigerungen ohne Probleme bewältigen können. Andere, ebenfalls große Teile, jedoch nicht. Und die Preise für weitere Güter des täglichen Bedarfs steigen ebenfalls rasant, beispielsweise für Strom, kommunale Abgaben und wer weiß, was noch alles kommt. Zumindest die Sozialverbände machen die Lebensmittelpreise zum Thema und fordern Anpassungen der Sätze für die Grundsicherung, darunter auch für Rentner. Die angesprochenen Bevölkerungsgruppen müssen erheblich mehr ihres Haushaltseinkommens als die üblicherweise genannten durchschnittlich 11 oder 12 Prozent für Lebensmittel aufwenden. Auch bei Familien mit Kindern oder Heranwachsenden sind Lebensmittel ein bedeutender Posten. Dies sollten auch Politiker und Verbraucher- sowie Tierschützer aller Couleur sehr ernst nehmen.

„Wenn konventionelle Lebensmittel zu teuer sind, dann sollen sie doch auf Bio umsteigen", wäre im Fall steigender Lebensmittelpreise sicher keine zielführende Aussage und würde bestenfalls auf Unverständnis stoßen. Die Agrar- und Ernährungswirtschaft hat einen Auftrag - dazu gehört in erster Linie die Bereitstellung hochwertiger Lebensmittel zu angemessenen Preisen. Die Bemühungen der daran Beteiligten sollten zumindest ab und zu Anerkennung finden. Wer will, hat die freie Wahl, für Lebensmittel nach seinen persönlichen Wertvorstellungen soviel auszugeben wie er möchte und kann.
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