Horst Hermannsen zur steigenden Inflation

Stille Enteignung

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„Düngerpreise im Höhenrausch“. „Mineraldünger fast unbezahlbar“. „Ungebrochener Aufwärtstrend bei Futtermittelpreisen“. „Pflanzenschutz wird teuer“. „Preise für Agrarflächen steigen und steigen“.

 So oder so ähnlich lauten Schlagzeilen in den landwirtschaftlichen Fachblättern seit Wochen. Selbst auf der jüngsten Fachtagung des Bayerischen Müllerbundes waren steigende Kosten Thema. Mühlenpräsident Rudolf Sagberger warnte vor den Folgen der Preisexplosionen in den Bereichen Energie, Rohstoffe und Transport. Die Situation müsse entschärft werden. Alle wesentlichen Kostenfaktoren der Mühlen wie Strom-, Getreide- und Transportkosten steigen massiv.

Die aktuell ausgewiesene Inflationsrate von 4,1 Prozent mag zwar für den „normalen“ Warenkorb der Verbraucher zutreffend sein. Für die Hauptkostenfaktoren der Mühle – Getreide, Strom und Diesel für den Fuhrpark – reicht dies nicht aus. Hier schlagen partielle Inflationsraten auf die Mühlenkalkulation voll durch, so Sagberger. Seine Aussagen treffen nahezu auf die gesamte Wirtschaft und besonders auf die Agrarwirtschaft zu. Deutschland hat die höchste Inflationsrate seit 28 Jahren erreicht. Ist dies der Anfang vom Ende der Geldwertstabilität? An Warnungen vor einer zu lockeren Geldmarktpolitik mangelt es seit Jahren nicht. Gestiegene Aktien-, Edelmetall- und Immobilienpreise sollten ebenso wie die Ausschläge bei den sogenannten Kryptowährungen als Warnung verstanden werden. Sachwerte bleiben das Gebot der Stunde.

Bis heute laufen die Gelddruckmaschinen heiß; angeblich um das Schreckgespenst der Deflation (also die auf breiter Front sinkenden Preise) in Schach zu halten. Die daraus resultierende Inflationsgefahr wurde dabei, politisch gewollt, ignoriert. Die Geldmenge steigt rascher als das dagegenstehende Angebot an Waren und Dienstleistungen. Dies wurde nur durch das vermehrte Sparen, unter anderen wegen Corona, kaum registriert. Zudem floss überschüssige Liquidität in Aktien und Immobilienwerte. Doch nun „gönnen“ sich die Menschen wieder mehr und manche Investitionsblase könnte platzen. Jedenfalls erhöht sich die Geldumlaufgeschwindigkeit und dies wirkt inflationär. Die Europäische Zentralbank (EZB) müsste zu einer strafferen Geldpolitik zurückkehren, doch das ist unwahrscheinlich. Die aufgeblähten Staatshaushalte etlicher EU-Länder zeichnen sich durch eine monströse Verschuldung aus. Und im Zentralbankrat haben diese Schuldenländer die Mehrheit.

Diese Fraktion hat der französische Ministerpräsident Emmanuel Macron mit der Wahl der umstrittenen Christin Lagarde zur EZB-Präsidentin gestärkt. Sie steht in der Tradition ihres Vorgängers, des Italieners Mario Draghi.  Im Einvernehmen mit Kanzlerin Angela Merkel hat Macron die Inthronisierung von Ursula von der Leyen, die nie auf einem Wahlzettel stand, als EU-Kommissionspräsidentin befördert. Mit dieser Personenschacherei wurde der auf Geldwertstabilität pochende Bundesbankpräsident Jens Weidmann ausgebootet.  Damit ist sicher, dass die EZB die Zinsen nicht anhebt. Staaten wie etwa Italien oder Frankreich würden sonst in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Ihr Schuldendienst ist nur noch bei niedrigen oder besser noch negativen Zinssätzen vorstellbar. Die EZB nimmt daher lieber steigende Geldentwertungsraten und damit die Enteignung der Bürger in Kauf, denen die Politik zuvor dringend empfohlen hat, sich nicht auf staatliche Rentenzahlungen zu verlassen sondern für die Altersvorsorge zu sparen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde, hat deutlich gemacht, dass sie keinen Grund zum Gegensteuern bei der Inflation sieht. Dem Magazin Spiegel sagte sie: „Einige Einflussfaktoren dürften bald wieder verschwinden, etwa die preistreibenden Effekte, die sich aus gestörten Lieferketten ergeben oder aus der Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung in Deutschland.“ Auf diese Phänomene habe die Geldpolitik ohnehin kaum Einfluss. Sie gehe davon aus, dass die Effekte vorübergehender Natur seien und die Inflation 2022 wieder sinke. Ja wenn das so ist, dann müssen wir nur abwarten und alles wird wieder gut….
  1. Gerhard Langguth
    Erstellt 11. November 2021 10:44 | Permanent-Link

    Hier erübrigt sich jeder Kommentar.

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