Arne Löffel über das Bäumefällen

Das war dumm

Was sich da gerade in der Fränkischen Schweiz mit der massenhaften Rodung von Streuobstwiesen abspielt, ist nicht weniger als ein Drama. Denn mal ehrlich: Eigentlich will doch niemand, dass so etwas passiert.

Die Umweltschützer wollen das nicht, die Vogelliebhaber wollen das nicht, die Touristen auch nicht, die Anwohner schon gar nicht; sogar der Pfarrer findet’s blöd. Und die Landwirte, die auf eigene Faust und Gefahr die Kettensäge an ihre gesunden Bäume legen, die wollen das doch auch nicht.

Also was passiert hier gerade? Wir werden Zeuge einer weiteren Umdrehung in der Abwärtsspirale, in der das Binnenverhältnis von Landwirtschaft und dem Rest der Gesellschaft gefangen ist. Der bayerische Landtag diskutiert über einen Kompromiss zum Naturschutzgesetz, das aufgrund eines von Nicht-Landwirten ausgelösten Volksbegehrens reformiert werden soll. Beide Seiten halten den Kompromiss für faul. Die Naturschützer, weil die von Landeschef Markus Söder im Landtag eingebrachten Paragraphen nicht mehr so straff sind, wie das Volksbegehren eigentlich gefordert hat, und der Bauernverband, weil am Ende des Tages doch die Landwirte die Rechnung dafür zahlen werden. Entschädigungen hin, Entschädigungen her.

Dass den Landwirten angesichts dieser Gemengelage die Sicherung durchbrennt und sie – überspitzt gesagt – bei Nacht und Nebel mit der brummenden Motorsäge Fakten schaffen, ist menschlich gesehen sogar nachvollziehbar. Da kommt einer und will Dir in die Tasche greifen, vorschreiben wie Du zu wirtschaften hast und seine global-klimatischen Probleme auf Deinem Rücken austragen. Wenn man die Dinge aus dieser Warte betrachtet, ist das wirklich (Entschuldigung, Herr Pfarrer) verdammt uncool.

Aber, liebe Landwirte mit der Motorsäge. Das, was Ihr da abgezogen habt, ist wirklich nicht besonders schlau. Eure Streuobstwiesen sehen jetzt aus wie nach einem Wirbelsturm und gewonnen habt Ihr damit gar nichts. Geschadet habt Ihr damit vor allem Euch selbst – und Euren Nachbarn. Abgesehen davon, dass jetzt wahrscheinlich alle sauer auf Euch sind, die an Eurem Ex-Obstgarten vorbeilaufen, droht Euch vielleicht eine wie auch immer geartete Strafe. Und die Touristen, die eigentlich zum Wandern in die Fränkische Schweiz kommen wollten, bleiben jetzt wahrscheinlich auch weg. Somit kaufen die Wanderer auch nicht mehr in Eurem Hofladen ein und essen auch nicht mehr bei Euren Nachbarn im Restaurant. Und das finden die Nachbarn bestimmt auch nicht gut.

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