Arne Löffel über die Grüne-Kreuze-Bewegung

Bauernproteste jenseits der Ideologie


Die für die diese Woche angekündigten Bauernproteste haben bereits vor dem Beginn der ersten Demo einen Fleck auf der weißen Weste.

Verkleckert hat ihn die taz, die in einem aktuellen Artikel die Bauernprotestler in die AfD-Ecke schiebt und ihnen zugleich unterstellt, gar nicht so unabhängig vom Deutschen Bauernverband (DBV) zu sein, wie sie selbst behaupten.

Aber was passiert hier eigentlich? Richtig an der taz-Recherche ist offensichtlich, dass viele der führenden Köpfe der Bauernproteste auch Mitglieder im DBV sind oder waren. Richtig ist auch, dass die AfD die einzige Partei im Bundestag ist, die alle Forderungen der Bauern unterschreibt. Doch die Interpretation der taz, dass die Bauernproteste dadurch so rechts wie die AfD und darüber hinaus vom DBV gesteuert seien, das ist zu pointiert. Auch wenn einer der führenden Köpfe der Protestler mal Mitglied der AfD war.


Zum Vorwurf, die Forderungen der Bauern seien „rechts“, ist prinzipiell zu sagen, dass sich umweltpolitische Forderungen nicht in rechts und links einordnen lassen. Die Bauern sagen ja nicht, dass die Ausländer unser Essen wegfressen, sondern dass sie weiter wie im bisherigen Umfang Pestizide spritzen wollen. Das ist vielleicht umweltpolitisch falsch, aber nicht rechts.

Dass die AfD hingegen die Landwirte beim Protest unterstützt, passt vor allem in die Strategie der AfD. Zum einen bedienen sie damit nachweislich die Forderungen einer Wählergruppe, die der AfD ohnehin zugeneigt ist. Zum anderen befeuert damit die AfD auf gewohnt populistische Weise eine Debatte, die zur weiteren Spaltung der Gesellschaft führt. Je weniger versöhnlich die Landwirte in der Öffentlichkeit auftreten, desto mehr kann man nur für oder gegen sie sein. Und wer für sie ist, der muss die AfD wählen – so will die AfD zumindest gesehen werden. Diese Polarisierung spielt der AfD in die Hände, weil sie das Lager der Parteien der Mitte aushöhlt und die Wähler an die politischen Ränder treibt. Damit geht sie auf Stimmenfang im konservativen, eigentlich bei CDU/CSU verorteten Lager der Landwirte.

Den meisten Landwirten geht aber es doch gar nicht um gesellschaftliche Debatten, um Polarisierung oder Politisierung. Es geht ihnen darum, wie jeder Arbeitnehmer das Maximum aus seiner Arbeit, also in dem Fall aus dem Hektar, herauszuholen und möglichst viel Geld zu verdienen. Das ist nur nachrangig eine ideologische Frage, vor allem ist es eine menschliche. Die Landwirte sollten sich daher vielleicht eher fragen, ob sie sich von der AfD an dieser Stelle instrumentalisieren lassen oder nicht vielleicht durch ein deutliches Statement von der politischen Vereinnahmung abgrenzen wollen. Die jüngsten Landtagswahlen haben allerdings gezeigt, dass ein Gutteil der Bauern ohnehin die AfD wählt und damit zumindest rechtes Gedankengut in Kauf nimmt. Aber die Proteste sind dadurch noch lange keine AfD-Veranstaltung.

Auch bei der vermeintlich verschwiegenen Nähe der Graswurzel-Protestler zum DBV muss man die Kirche im Dorf lassen. Niemand agiert im luftleeren Raum, auch nicht Landwirte. Und natürlich sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch DBV-Mitglieder unter den Organisatoren oder tauschen sich mit ihnen aus. Und natürlich unterstützt der DBV die Proteste. Es ist aus deren Sicht doch ideal, wenn die Landwirte selbst die Dinge in die Hand nehmen und nicht die ewig gleichen Silberrücken aus dem Verbandssumpf in der ersten Demo-Reihe stehen.

Das gilt gleichermaßen für alle anderen Graswurzel-Bewegungen: Hätte die Nabu-Ortsgruppe Berlin zu „Fridays For Future“ aufgerufen, wäre doch außer den üblichen Unterstützern auch kein Schwein gekommen.

6 Kommentare

  1. Ahrend Höper
    Erstellt 21. Oktober 2019 21:54 | Permanent-Link

    Verkleckert hat ihn die taz, die.....
    Ich persönlich störe mich massiv an dem Begriff "Lügenpresse"! Einst hatte ich eine ungewollte Begegnung mit einem Journalisten der taz, der mich überredete ihm ein Interview zu geben. Nach etlichen Versprechungen des Schreiberlings zum Ablauf und Abwicklung willigte ich ein. Unter anderem gab er mir ein Versprechen bei der Verabschiedung per Handschlag, der Text wird nur frei geschaltet wenn ich ihn gelesen habe und einer Veröffentlichung zustimme. Nicht nur dass nach 3 Tagen der Artikel in der taz und einigen Tageszeitungen stand, natürlich ohne Rücksprache und Abstimmung, entsprachen etliche Angaben nicht der Wahrheit! Seit dem ist die taz für mich der Inbegriff der "Lügenpresse".

  2. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 22. Oktober 2019 09:21 | Permanent-Link

    Heute gehen die Bauern in Massen auf die Straßen und protestieren für wen, für was!?

    Propagiert man damit nicht erheblich uneinsichtig das Ansinnen auf ein „WEITER SO“, ganz ohne eigene Ideen und Vorschläge überhaupt auf den Verhandlungstisch legen zu können!? Hier ist die „Wachsen-oder-Weichen-Generation“ tatsächlich mit einem solchen Imponiergehabe in klassischer Silberrücken-Manier unterwegs, die für sich die Deutungshoheit in allen Agrarfragen in Anspruch nimmt. Es mangelt augenscheinlich noch immer am Bewusstsein, dass die Mehrheit der Verbraucher nahezu rigoros ablehnen, wie wir heute produzieren.

    Die wahren Intentionen für diese Proteste liegen eigentlich glasklar auf der Hand: Das 3. Jahr in Folge brechen nach einer für viele katastrophalen Ernte im Nachgang die Erzeugerpreise förmlichst weg. In Zeiten der maßlosen Nahrungsmittelüberhänge, wo problemlos ein Drittel selbst von diesem Wenigen noch auf dem Biomüll landen kann, ohne jemals einen Teller gesehen zu haben, kommt ein solches finanzielles „Elend“ schmerzhaft spürbar allenfalls jedoch auf unseren Bauernkonten an.

    Eine Form von zivilem Ungehorsam anstelle dessen wäre weit effizienter, das aber kann sich unsere Branche schon längst nicht mehr leisten, weil der alljährliche Staatstropf für die Vielzahl der Betriebe als finanzielles Fundament schlichtweg nicht wegbrechen darf. Ein Entzug selbigens bedeutete aktuell den wirtschaftlichen Ruin vieler Bauernhöfe. - Wie brutal unsere Administration im übrigen mit zivilem Ungehorsam bereit ist umzugehen, demonstriert man dato am Beispiel der Windenergiebranche, im Umfeld der Solarbranche hat man dies bereits vollzogen. Dabei spielt ein Wegbrechen von etwa formell 25.000 Arbeitsplätzen in der Windbranche keine wirklich tragende Rolle. Wie viele wurden in der Solarbranche längst eliminiert, ohne dass sich dabei überhaupt jemand interessehalber umgedreht hätte!?

    Man geht heute also noch immer davon aus, dass für jeden geschlossen Bauernhof der nächste Dumme am nahen Bahnhof schon morgen aussteigt. Zur Besichtigung für die urbane Bevölkerung stellen sich solche Betriebe heute zuhauf vor...

    PS: Gerade eben ist ein Treckerkonvoi von mehr als 20 überwiegend nagelneuen, überaus stylischen Fendt-Schleppergiganten durch‘s Dorf gerauscht. Es sei bei einer derartigen optischen „Signalwirkung“ die Überlegung erlaubt, wie man der aufmerksam beobachtenden Öffentlichkeit -vornehmlich den urbanen Verbrauchern, unserem „König Kunde“, die gegenwärtig sich extrem zuspitzende Notlage viele Bauernbetriebe so glaubhaft vermitteln kann. - Wenn Wort und Bild erheblich divergieren!

    Die Preisfrage für die Technik ist schließlich kein Geheimnis; wer sich dafür interessiert weiß, dass jedes dieser PS -insbesondere der Farbe des ganz neuen Grün- ein Invest von 1.000,00 Euronen längstens übersteigt, ganz unabhängig vom Wissen jeden Gegenübers von der Freiwilligkeit dieser Individualisten für ein solchen Kapitalaufwand.
    ...
    Hoffentlich leisten die Bauern sich damit nicht einen Bärendienst...!

  3. Ludwig Meyer
    Erstellt 22. Oktober 2019 10:19 | Permanent-Link

    Das ist die Parade der neusten Schleppertechnik, die Landwirte die 7 Tage, 365 Tage im Jahr ihr Vieh selbst versorgen sind hier nicht vertreten. Der bäuerliche Familienbetrieb arbeitet und geht nicht auf die Straße. Hier sind die "anderen" vertreten.

  4. Rainer Dierkes
    Erstellt 22. Oktober 2019 17:36 | Permanent-Link

    Erstens: ohne gut funktionierende Technik (meistens neuer Stand) ist eine effiziente Bewirtschaftung nicht möglich(Die Technik und deren Zustand sagt nichts über die Wirtschaftlichkeit des Betriebes aus, das ist in jeder Branche so)
    Zweitens: Es waren aus der Branche alle Gruppen vertreten. Vom Milchviehbetrieb über den Schweine- und Geflügelhalter, sowie den Ackerbauern. Vor allen Dingen waren es bäuerliche Familienbetriebe
    Drittens: Es geht hier tatsächlich um die Existenz einer Branche. Auch wir wollen Umweltschutz und Artenschutz. Aber es kann nicht sein, dass wir in Deutschland die einzigen sind, die diese Dinge umsetzen. Diese Umsetzung kostet Geld, die uns der Verbraucher aber nicht gibt. Er will die saubere Landwirtschaft vor der Haustüre, aber an der Ladentheke kauft er nur nach Preis ein und somit in den meisten Fällen billige Importware aus Ländern, in denen es keine Umweltauflagen gibt. Selbst innnerhalb der EU gibt es da große Diskrepanzen. Und diese Doppelmoral wird der Tod für größte Teile unserer Branche sein, da können wir demonstrieren, soviel wie wir wollen.

  5. Reinhold Klüh
    Erstellt 23. Oktober 2019 02:51 | Permanent-Link

    Ja das stand nicht auf dem Plan mit der DEMO und dass sich die Landwirtschaft außerhalb der angestammten Verbände spontan organisierten. Es ist das passiert, was nicht passieren durfte. Genau das hat aber uns Landwirten einen hohen Zuspruch beim Verbraucher eingebracht. Es ging nicht nur um die neuen Umweltanforderungen, es geht auch um die Art und Weise, wie seit neustem mit den Bauern umgegangen wird.

    Die Dürrehilfe 2018 war keine Hilfe, sondern ein bürokratisches Spießrutenlaufen, die Nitratmeldungen waren so korrekt wie die Auszählung der Kommunalwahl 1989 in der DDR. Dem setzte Klöckner dann noch die Drohung nach Kürzung der Alterkassenbezüge drauf. Am Morgen vor der Demo startete das Umweltministerium gleich wieder eine Aktion über das Ausbleiben einer Insektenplage. Die Aktionen aus Berlin sind an dreister Frechheit kaum noch zu überbieten. Sie dienen einzig dazu sich diesen Spendensammelvereinen günstig zu stellen.

    Irritiert bin ich jedoch über die Frechheit hier in den Kommentaren über Art und Größe der Schlepper zu lästern. Jeder Abonnent der Agrarzeitung verfügt meist über einen eigenen Fuhrpark und kennt die Kosten und die Kalkulation der Logistik. Ab 60 ha Betriebsgröße kann man schlicht nicht mehr mit Schrott fahren, dafür fehlen in Deutschland Fahrer, sind die Reparaturkosten zu hoch und es ist niemand zuzumuten 18 Std. am Tag auf einem alten 60 PS Schlepper wochenlang konzentriert zu arbeiten. Liebe Kollegen die Aktion war toll und andere Berufsgruppen werden dem noch folgen. Besser so als dass diese "Berliner Republik" die ganzen Wähler grünen, roten oder braunen Chaoten in die Arme treibt.

  6. Jetzterstrecht
    Erstellt 24. Oktober 2019 10:14 | Permanent-Link

    Der Ordo ab Chao-Tsunami bahnt sich schon an.
    Das "Wasser" zieht sich immer weiter zurück und die Bauern strampeln
    in ihrer Verzweiflung.

Ihre E-Mail wird weder veröffentlicht noch weitergegeben. Notwendige Felder haben einen *

Spielregeln

stats