Arne Löffel über Lebensmittelverschwendung

Schweinebauch statt Mülltonne?

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Der Verband der niederländischen Schweinehalter (POV) hat sich für eine Wiedereinführung der Verfütterung von Speiseresten ausgesprochen, die seit dem 1. November 2006 in der Europäischen Union verboten ist. Im Kontext der Afrikanischen Schweinepest ist das ein befremdlicher Plan. 

POV-Präsidentin Linda Janssen bringt sich mit einem bemerkenswerten Vorschlag in die Debatte über Lebensmittelverschwendung ein. Sie hält es für eine dufte Idee, die massenhaft in den westlichen Wohlstandsländern weggeworfenen Lebensmittel und Speisereste als Futter in der Schweinezucht einzusetzen. „Das Schwein ist eines der wenigen Tiere, die Reste aus der menschlichen Ernährung vertragen. Durch die Verfütterung könnte ein enormer Berg von Speiseresten verwertet werden“, hebt Janssen hervor.

Mit ihrem Vorschlag will Janssen auch den Klimawandel bekämpfen. Die Lebensmittelverschwendung verursache nämlich allein in Europa pro Person und Jahr 680 kg an unnötigen CO2-Emissionen. Früher, so die POV-Präsidentin, sei Lebensmittelverschwendung kein Thema gewesen. „Die Familien bauten ihre eigene Nahrung an und verfütterten ihre Essensreste an die Schweine, deren Mist auf den Feldern ausgebracht wurde. Heute haben die Familien statt eines Schweins eine Mülltonne“, so Janssen gegenüber der Presse. Bevor Essensreste wieder verfüttert werden dürften, müssten sie der Verbandschefin zufolge allerdings so verarbeitet werden, dass sie kein Risiko für die Gesundheit der Tiere und für die Lebensmittelsicherheit darstellen.

Gerade im Lichte der Afrikanischen Schweinepest - die sich ja auch vor den Toren der Niederlande ausgebreitet hat - mutet der Vorschlag, den Schweinen wieder Reste ihrer Artgenossen und anderer Tiere zu verfüttern, ein wenig riskant an. Nach den Erfahrungen, die in Europa auch mit BSE gesammelt wurden, dürften die Ideen des POV zumindest in Deutschland auf taube Ohren stoßen. Und das ist gut so. 

Zudem stellt sich auch die Frage, wie praktikabel Janssens Ideen sind. Allein der Schutz der zu verfütternden Lebensmittel gegen eine Kontaminierung mit der Afrikanischen Schweinepest dürfte einen nicht zu unterschätzenden Aufwand nach sich ziehen. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung ist das erreicht, wenn die Lebensmittel im Inneren für mindestens zwei Minuten auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzt werden. Schon diese Prozedur würde einen nicht geringen Teil der eingesparten CO2-Emissionen zunichte machen. 

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